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Go for .....
LADYFEST!!
Seit zwei Jahren
finden Veranstaltungen unter dem Slogan "Ladyfest"
auch im deutschsprachigen Raum statt. Zehn Jahre nach
den Anfängen der RiotGrrrlBewegung finden es Aktivistinnen
an der Zeit, der Reduktion feministischer Inhalte auf
konsumkompatible Slogans etwas entgegen zu halten. Das
erste Ladyfest geht in Olympia, Washington über die
Bühne und kickt die Frauen derart, dass es als Idee
den Weg über die USA, Asien auch nach Europa schafft.
Die Hamburgerinnen eröffneten mit einem groß aufgemachten
Ladyfest und machten an vier Tagen die Stadt unsicher.
Wien, Berlin, Leipzig uvm. folgten. Wer die einschlägigen
Manifeste studiert, stößt immer wieder auf sich einander
ähnelnde Forderungen. So wirbt das Ladyfest Dresden
(Juli 2005) mit dem Slogan: Let's be s_heroes. Don't
fall in love with the star, be the star! Ähnlich aus
dem Hamburger Programm: "Don't fall in love with
the guitarist, be the guitarist!" Einig ist frau
sich darüber, dass Feminismus jenseits von Zwangsheterosexualität
und Zweigeschlechtlichkeit neu definiert werden soll.
Als Logo und Marke bietet sich
"Ladyfest" an, unter diesem Titel Feste
und Parties zu veranstalten, diesen jedoch lokalspezifische
Strukturen, Besonderheiten und Forderungen zuzuweisen.
D.h. die Umsetzung des jeweiligen Ladyfests wird von
Organisationsgruppen und Akteurinnen in den diversen
Städten nach den jeweiligen politischen und feministischen
Ansätzen realisiert.
"Hier
bilden wir neue Szenen und Freundschaften"
Ein
wichtiger Begriff in diesem meist drei bis fünf Tage
dauernden Zirkus aus Selbstermächtigung, Spaß und feministischer
Bewußtseinsbildung bzw. Reflexion darüber, was weiblich,
männlich und transgender sein kann und soll lautet Vernetzung,
der sich, so kritische Stimmen zu sehr an neoliberales
Handeln anbiedert und sich mühelos mit Konzernen wie
Siemens assoziieren läßt. In der Management-Literatur
meint man mit der Vernetzung den Aufbau und die Pflege
zu anderen Personen, die helfen sollen den eigenen sozialen
Status zu halten oder zu verbessern. D.h. eine
gut "vernetzte" Person hat ein tragfähiges
Geflecht von guten Beziehungen zu Personen in verschiedenen
Organisationen, die ihr helfen, rasch und frühzeitig
an wichtige Informationen zu kommen. Was bedeutet in
der Praxis die Forderung nach der Bildung neuer Szenen
und Freundschaften? Und wie läßt sich mit "Freundschaften"
oder "FreundInnenschaften" als politische
Strategie arbeiten. Steckt in dem Wort nicht auch eine
relativierende Aussage? Und wenn ja, wäre dann der Bund
oder das Bündnis die Alternative, die meiner Ansicht
nach, lahm und reaktionär klingt. Und was ist die Szene,
die neu gebildet werden soll? Szenen entstehen oft aus
einem ähnlich gelagerten Interesse an z.b. bestimmten
musikalischen Artikulationsformen. D.h. es geht weniger
um die "neue Szene" als um das persönliche
Kennenlernen, um dieser Szene ein Gesicht zu geben.
Und mit diesem Gesicht, und mit der Euphorie (viele
würden das Gefühl auch Kick nennen) die sich unter den
Beteiligten meist aus solchen Zusammentreffen in einer
relativ selbstdefinierten Atmosphäre ergibt, läßt es
sich zukünftig gut im email-Kontakt bleiben und sich
gegenseitig einzuladen. "Ähnlich wie es im Journalismus
auf den Herrentoiletten zugeht", wie es eine Genossin
spaßhalber formuliert. Oder in den Backstageräumen der
Musikfestivals spät nachts.
"Strategien
gegen strukturelle patriarchale Herrschafts- und Machtverhältnisse"
Wenn
es den Anspruch gibt hierarchiefreie Räume zu schaffen,
in denen sich Künstlerinnen und Aktivistinnen präsentieren
können, dann sei darauf hingewiesen, dass Bühnen m.E.
niemals hierarchiefrei bespielt werden. Nicht im performativen
Sinn und auch nicht in ihrer Bedeutung als Ort verknappter
Ressourcen, die aufgeteilt werden wollen - ich spreche
von Musikbühnen. Dazu zählen die Anzahl der Acts und
deren Auswahl, die Zeit, die den jeweiligen zur Verfügung
gestellt wird, die technisch logistische Umsetzung
bei zB einem Musikkonzert (Anlage, Technikerin, Soundcheck)
Schon bei der Auswahl der Musikerinnen ergeben sich
Diskussionen darüber, wer überhaupt eingeladen werden
soll und wer wieviel Geld bekommt. Wer darf also mit
dem Flugzeug kommen, wer soll mit dem klapprigen Bus
anfahren. Wer bekommt eine fixe Gage, weil medial gut
vermittelte Quoten- und Publikumsbringerin und welche
soll froh sein, überhaupt spielen zu "dürfen"
und somit "Part of the Ladyfest" wird. Angemerkt
sein noch, dass es beim Ladyfest nicht nur um das Präsentieren
von Musikkonzerten und DJ-Lines geht, sondern weiters
Workshops, Performances, Lesungen, Diskussionen, Ausstellungen
und Filmreihen rund um queere Themen und Vermittlung
technischer Skills (Mixen, Tontechnik, Radio etc.) organisiert
werden.
Das
Kaffeekränzchen als Unort
Eine
der ersten sogenannten Vernetzungsveranstaltungen, der
ich beiwohnen durfte war das Symposium "Musikerinnen
und Öffentlichkeit", das im November 2001
im Hamburger fm:z (Frauenmusikzentrum) stattfand. Eingeladen
waren u.a. Tine Plesch (die leider letztes Jahr verstorben
ist), Electric Indigo, DJ T-Ina, Luka Skywalker uvm.
Die taz-Autorin Jenny Zylka schien sich davon eher nicht
so angesprochen - sie beschrieb in der taz ein Kaffeekränzchen,
das immer wieder die selben Themen und Frustmomente
verhandelte anstatt einfach zu machen – das Modell der
besten aller
möglichen Welten. Wenn hier von Vernetzung a la "If
the grrrls are united ... popular culture under female
pressure" gesprochen wird dann wird auch nicht
außer acht gelassen, dass es sehr wohl um Konkurrenz,
um Anerkennung und um ein Stück vom Kuchen geht. Solidarität
funktioniert oft nur so lange, so lange keine Benefits
zu erwarten sind. Der Split eines z. B. DJ-Kollektivs
erfolgt schneller als frau denkt. DJ und Produzentin
Electric Indigo, DJ T-Ina (Femmes with fatal breaks)
und Luka Skywalker stellten ihre Projekte vor und erzählten
aus ihrer jahrelangen Praxis. Electric Indigo beschrieb
ihre Motivation, eine Datenbank (www.femalepressure.net)
zu realisieren, die sämtliche DJs, Produzentinnen und
Visual Artists weltweit sammelt, nach bestimmten Stylekategorien
sortiert und Kontaktadressen zur Verfügung stellt. So
schnell kann kein(e) Veranstalter(in) mehr sagen, es
gäbe keine weiblichen DJs! Die dazugehörige Mailingliste
hat schon so mancher zu Auftritten verholfen bzw. wertvolle
Tipps zum Arbeiten mit diversen Musikprogrammen und
Playern geboten, aber auch von Diskriminierungen wird
immer wieder berichtet. Luka Skywalker berichtete über
das Scheitern eines DJ-Kollektivs - die von ihr mitbegründeten
Top Ten DJs lösten sich vor ca. eineinhalb Jahren auf.
Das Konzept leuchtet ein: Drei Frauen trafen sich und
gründeten ein Soundsystem: "Sie mussten etwas suchen,
um sechs weitere DJ`S zu finden, aber mit Geduld und
Spucke waren sich dann die Neune einig. Der zehnte Platz
wurde für Gäste aus anderen Städten und etwaige Zusammenarbeiten
vorbehalten." Was anfangs gut klappte und die Häuser
rockte, bröselte mit zunehmender Akzeptanz einiger Protagonistinnen
und mangelnder Solidarität mit den anderen ab. Dazu
fand Dagmar Brunow, Pressesprecherin von Espressiva,
die passenden Worte: "First give, then take!"
Ein Motto, das vielversprechend klingt. Wer in/von ein/em
Projekt (ob DJ-Kollektiv oder alternatives Medium) "investiert"/"profitiert"
(Zeit, Energie/symbolisches Kapital), sollte doch die
Zusammenhänge im Auge behalten, die die Voraussetzung
für manche Karrieren bildeten.
LADYFESTe,
Datenbanken, Mailinglisten, Frauenbandenfeste und div.
andere oft nichtkommerziell arbeitende Veranstalterinnen
bieten Musikerinnen, Theoretikerinnen, Künstlerinnen
Raum, ihre Arbeiten zu zeigen - bzw. Bühne zu probieren.
Der Umgang mit Technik (Sound) und Equipment gehört
für junge Frauen nach wie vor nicht zur Selbstverständlichkeit,
darum sind Festivals bzw. Veranstaltungen, die diese
Erfahrungen bieten, hilfreich und wichtig im Bestreben,
eigenständige Kunstformen zu entwickeln. Sonst seh ich
mich schon sitzend in einer Podiumsdiskussion 2015:
"Warum gibt es nach wie vor so wenige Musikerinnen
und weibliche Djs?"
http://www.ladyfest.org/
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