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kein mensch ist illegal gehört zu den wichtigsten politischen
Kampagnen und Vernetzungsansätzen der 90er Jahre in
der Bundesrepublik Deutschland. Ausgehend vom Hybrid
Workspace der documenta X (1997) war sie von Anfang
an als hybrides Projekt künstlerischer wie politischer
Praxis angelegt. Verschiedenste Gruppen beziehen sich
auf kein mensch ist illegal oder setzen sich bewusst
von dem Projekt ab, so, wie sich die Kampagne selbst
auf die Bewegung der Sans-Papiers in Frankreich bezogen
hat und Unterschiede zu traditionellen antirassistischen
Ansätzen herstellen wollte. Die internationale Kooperation
zu Beginn der Kampagne setzt sich nun, nach mehr als
fünf Jahren, in erster Linie durch deren Einbindung
in das mittlerweile entstandene No BorderNetzwerk fort.
kein mensch ist illegal verknüpfte und verknüpft vielfältige
antirassistische Aktivitäten in komplexen politischen
sowie ästhetischen, z.B. (pop)kulturellen Bündnissen.
Zu Beginn der Kampagne stand der auf der documenta X
erarbeitete Appell. Er richtete sich an die tatsächlichen
Handlungsträgerinnen der Mehrheitsgesellschaft und enthielt
sich deshalb reformistischen, an den Staat gerichteten
Forderungen, ersparte sich moralische Argumente traditioneller
Betroffenheitspolitik und ebenso paternalistische Herangehensweisen.
In diesem Zusammenhang standen zu Beginn von kein mensch
ist illegal unterstützende Infrastrukturen im Vordergrund
wie z.B. Beratungseinrichtungen für Illegalisierte,
medizinische Versorgungsprojekte, das Wanderkirchen-Asyl
im Westen Deutschlands, die Unterstützung sogenannter
Blinder Passagiere im internationalen Seeverkehr an
der norddeutschen Küste und die ersten Grenzcamps in
Ostdeutschland an der Schengen-Außengrenze zu Polen.
Diese Grenzcamps finden mittlerweile nicht mehr nur
an der territorialen Grenze statt, sondern thematisierten
auch innere und virtuelle Grenzen. Das Camp 2001 z.B.
fokussierte den Frankfurter Rhein-Main-Flughafen und
das internationale Camp 2002 in Strassburg die digital-organisierte
Grenze des Schengeninformationssystems (SIS), das im
Elsass seinen physischen Sitz hat. kein mensch ist illegal
unterstützte 1998 (ein Bundeswahljahr) die von in Deutschland
bestehenden Exilgruppen initiierte Karawane für die
Rechte der Flüchtlinge und Migrantinnen.
2000 begründete kein mensch ist illegal die Teilkampagne
deportation.class, die durch Imagebeschmutzung die Nationalfluglinie
Lufthansa bewegen will, aus dem Geschäft mit Abschiebeflügen
auszusteigen. Auch die deportation class verabschiedete
sich in ihrer Methodik von tradierten Vorstellungen
antirassistischer Arbeit. So ist die Beschmutzung der
Corporate Identity der Lufthansa und die Störung ihres
Symbolmanagements zugleich eine Absage an eigene identitätspolitische
Herangehensweisen. Oder anders beschrieben: das öffentliche
Erscheinungsbild der deportation class reproduziert
nicht mehr die ästhetischen Codes und kulturellen Imaginierungen
der eigenen Szene zum Zwecke von deren Mobilisierung,
sondern ist ein direktes symbolisches Werkzeug. Die
Mobilisierung der eigenen Szene verlässt sich auf das
inhaltliche Ziel, Abschiebungen zu verhindern und Bleiberechte
zu erkämpfen.
Im Zuge der deportation.class fand auch die erste Online-Demonstration
in der Bundesrepublik Deutschland statt, ein virtuelles
Sit-in vor den Servern der Lufthansa. Mit über 10.000
Teilnehmerinnen fragte die Online-Demonstration auch
nach den politischen und aktivistischen Handlungsmöglichkeiten
im virtuellen Raum durch electronic disturbance.
Zugleich forcierte sie erneut Diskussionen, z.B. inwieweit
(virtuelle) Kampagnenpolitik losgelöst von sozialer
Praxis ist oder medienimmanent: Welche Bedeutung dem
Widerspruch zwischen electronic disturbance und
dem freedom of information zukommt.
Von Anfang an nutzte kein mensch ist illegal elektronische
Werkzeuge wie das Internet. In den nicht nur dort veröffentlichen
Selbstbeschreibungen heißt es, die Kampagne "verbindet
radikalen politischen Anspruch mit taktischem Medienverständnis
und einer Präsenz im Kunstdiskurs". Sie sei damit
eine hybride, d.h. Kunst, Medien und Politik verbindende
Praxis. Der deklamatorische Charakter ist zum einen
entworfenes Programm, um Hybridität zu erreichen, andererseits
extrapoliert er tatsächliche Herangehensweisen. Seit
Beginn der Kampagne wirken in ihr politische Aktivistinnen,
Theoretikerinnen, Medienaktivistinnen, bildende Künstlerinnen,
Musikerinnen und Designerinnen etc. mit. Aus dem Zusammenspiel
der von ihnen eingebrachten Erfahrungen und dem jeweils
angeeignetem Know-how entsteht ein Moment der Stärke
von kein mensch ist illegal. Um Missverständnissen vorzubeugen:
Nicht simple Rollenzuweisungen z.B. zwischen Künstlerinnen,
Theoretikerinnen oder politischen Aktivistinnen, oder
gar ethnifizierende Modelle, beschreiben diese Praxis,
sondern die gesammelten gemeinsamen Erfahrungen. Unabhängig
von diesen Gemeinsamkeiten existieren Diskussionszusammenhänge,
die sich an unterschiedlichen Schwerpunkten z.B. von
Musikerinnen, Künstlerinnen, politischen Aktivistinnen,
Theoretikerinnen oder Journalistinnen entwickeln. Und
es bestehen Partizipationen in zum Teil widersprüchlichen
z.B. politischen, kulturellen oder sozialen Diskursen
weiter. Denn die Überlagerung der Kompetenzen oder das
Arbeiten in hybriden Zusammenhängen findet auf der Folie
von Spezialisierungen und Sozialisierungen statt, die
nicht gänzlich aufgelöst werden können und aufgelöst
werden wollen. Und sei es nur, dass einige politische
Arbeitsgruppen, konkrete soziale Projekte oder theoretische
Forschung, andere den Übungsraum oder das Atelier in
ihrer Praxis bevorzugen. Überwölbt werden diese Schwerpunkte
von persönlichen Sehnsüchten, dem Wunsch nach Aufladung
sowie der Gewinnung oder Rückgewinnung von Definitionsmacht.
Gerade in dieser offenen Widersprüchlichkeit, den vagen
Situationen und transversalen Verhältnissen liegt die
produktive Option. Ihre Wahrnehmung ist nicht automatisch,
sondern jeweils konkrete Aktion mit konkreten Schwierigkeiten.
Das setzt nicht nur das Erkennen der jeweiligen situativen
Handlungsoptionen voraus, sondern auch das Interesse,
nicht so zu tun, als gäbe es keine Widersprüche. Das
Ziel ist nicht eine Art Reinheit von Diskursen, in einem
anderen Bild gesprochen: nicht ein de-bugging,
sondern der Umgang mit einer schmutzigen Konfiguration,
die für den Fall, dass sich das Ding aufhängt, eben
mit Neustart arbeitet. Eine Herangehensweise, die sich
der Schwierigkeiten bewusst ist, mit denen die hybride
Praxis konfrontiert ist. Diese Schwierigkeiten mögen
zwar in der Theorie oder durch Mobilisierungs- und Marketingstrategien
z.B. im Verweis auf eigene überlegene, weil höhere Ziele,
verwischt werden können, bleiben allerdings in der Praxis
als Herausforderung bestehen. Einiges Kräftezehrendes
soll hier skizziert werden.
Die Dichotomie von Politik und Kunst besteht nicht
nur im Galerienmarkt oder im traditionellen Museumsbetrieb,
sondern auch in linken oder autonomen Zusammenhängen.
Dort ist sie jedoch abgelöst durch ein spezifisches
Set von Hierarchien.
Eine der Hierarchisierungen imaginiert für die Kunst
ein dienendes Verhältnis zu einem politischen Kern.
Diese, bürgerlichen wie linken Traditionen überkommener
politischer Organisationsarbeit geschuldete Vorstellung
nimmt künstlerische Produktion nicht als eigenständige
inhaltliche Äußerung wahr, oder als Möglichkeit des
Erkenntnis-Gewinns, sondern als handwerkliche Realisierung
anderswo verorteten und entschiedenen Inhalts.
Zum Grenzcamp 1998 in Rothenburg schlugen politische
Aktivistinnen vor, ein Denkmal für den unbekannten
Fluchthelfer zu errichten. Gedacht war an eine Art
steinerne Stele. Für die weitere Realisierung wurden
in der Kampagne aktive Künstlerinnen angefragt. Sie
schlugen statt der Stele einen TrimmDichPfad: Fit
für Fluchthilfe vor. Der TrimmDichPfad bestand
aus mehreren blauen Tafeln an Stangen. Sie sollten entlang
der deutsch-polnischen Grenze aufgestellt werden. Die
Schilder empfahlen bestimmte Übungen, die mit einfacher
körperlicher Ertüchtigung begannen, um dann Aufgaben
zur heimlichen Überquerung der Grenze zu geben, einschließlich
so schwieriger Techniken wie das Anfertigen von Alias-Dokumenten.
Der TrimmDichPfad entstand einerseits aus der
Weiterentwicklung einer aktuellen Arbeit einer in der
Kampagne aktiven Künstlerin, dem sogenannten TrimmDichPfad
für angehende Künstlerinnen, andererseits in Kenntnis
und Reflexion der seinerzeit aktuellen Debatte zum Holocaust-Mahnmal
in Berlin. Die im künstlerischen Kontext sehr nachvollziehbare
Position zur Frage, was ein Denkmal sein kann, transferierte
sich im Kontext politischer Aktivistinnen zu einer Bereicherung
der Demonstrationskultur. Statt Transparenten wurden
nun die Hinweistafeln mitgeführt und eingepflockt. Die
künstlerische Arbeit ging in der aktivistischen politischen
Kultur auf, veränderte jedoch keine bestehenden Vorstellungen.
Das Verfahren blieb eingespielt: Die ,Demonstrantinnen'
markierten ihre Inhalte und die begleitende Polizei
entsorgte die Ordnungswidrigkeit. Der TrimmDichPfad:
Fit für Fluchthilfe wurde in einem Mobilisierungsvideo
dokumentiert, kopiert und verbreitet. Es zeigt im Bild
die Demonstration zur Errichtung des TrimmDichPfades,
und die Tonspur liefert im Off den mitgeschnittenen
Funkverkehr des zugehörigen Polizeieinsatzes.
Diese Integration künstlerischer Arbeitsweise in die
politische Aktion kann zum einen als hervorragende hybride
Realisierung gelesen werden. Erst auf den zweiten Blick
zeigt sich das Dilemma: Mit der Integration verschwand
die ästhetische Fragestellung. Bereits die unmittelbar
im Anschluss angefertigte Videodokumentation enthält
keinen Hinweis mehr auf das Denkmal für den unbekannten
Fluchthelfer. Stattdessen verweist sie auf die im
politischen Aktivismus gerne gebräuchliche Identitätsstiftung
durch Auseinandersetzung mit der Polizei. Das Verschwinden
der ästhetischen Aussage wurde beschleunigt und erleichtert
durch das Einbringen des TrimmDichPfades in ein kollektives
Projekt auf dem Camp und den bewussten Verzicht auf
Autorinnenschaft im Sinne der Copyleft-Bewegung. Damit
verschwand auch die Adresse für Kritik und Feedback.
Die Demonstration wurde um eine Aktionsidee bereichert,
die ästhetische Diskussion trat auf der Stelle. Damit
bedarf sie des Neustarts beim nächsten Mal. Auf Erfahrungen
kann mangels des Links ,Denkmal' nicht mehr Bezug genommen
werden.
Im Zuge der Vorbereitung des zweiten Grenzcamps von
kein mensch ist illegal erklärten einige Musikerinnen
aus praktischen Problemen heraus, dass sie nicht unter
ihrem bekannten Band-Namen auftreten können, sondern
unter einer für den speziellen Anlass geschaffenen Bezeichnung.
Kurzfristig wurde transparent, welche Rolle Künstlerinnen
im Kontext der politischen Aktion einnehmen: Im Vorbereitungs-Plenum
wurde die Enttäuschung formuliert, ein Auftritt mit
neuem Namen bringe nichts, weil er keine Mobilisierungsfunktion
mehr habe.
Das Phänomen wäre nun in traditionellen Organisationsmodellen
nicht weiter interessant. Selbstverständlich schmückt
sich eine Partei, Gewerkschaft, ein Unternehmen oder
eine andere Corporation mit Künstlerinnen - und können
Letztere ebenfalls durch Imagetransfers gewinnen. Im
Kontext hybrider Praxis bleibt es aber theoretisch überraschend
wie praktisch entnervend, weil es genau die Trennung
fortschreibt, deren Überwindung proklamiert wird.
Reibungsfreier funktioniert z.B. die Form des Benefizkonzerts.
Es ermöglicht allen Beteiligten, dem Veranstalter als
politischem, den Bands als künstlerischem Zusammenhang
und dem Hallenbetreiber als manchmal kommerzielle Infrastruktur,
weitgehend unbehelligt nebeneinander zu agieren und
sich wechselseitig aufzuladen. Ebenso funktionieren
Ausstellungen von Plakaten und Flyers. Sie können zur
Begleitung einer so genannten inhaltlichen Veranstaltung
herhalten oder gar als deren Konstituens fungieren.
Eine zweite Hierarchie wird sichtbar in der Ökonomie
der Aufmerksamkeit, die den verschiedenen in der Kampagne
genutzten Medien und Praxen zukommt. Grob überspitzt:
Die Vor- und Nachbereitung textbasierter Theorie-Bildung
löst üblicherweise erhebliche Diskussionen, Streitgespräche
und Positionierungsversuche aus. Der Auswahl der Videos
eines Filmabends wird eine immanent politische Begründung
zu Grunde gelegt. Bei Plakaten und Flyers beansprucht
jedes Plenum Kompetenz, während die Auswahl musikalischer
Darbietungen speziellen Arbeitsgruppen übertragen und
die Produktion aus dem weiten Feld darstellender oder
bildender Kunst zum Begleit- und Unterhaltungsprogramm
sortiert wird. Damit folgt die Verteilung der inhaltlichen
Aufmerksamkeiten im hybriden Entscheidungsprozess weitgehend
denen der Mehrheitsgesellschaft. Text- und Bildmedien
wird die größere politische Relevanz zugeordnet, was
mit den eigenen Konsumgewohnheiten korreliert. Diese
Präferenz im Konsum entspricht deren Kontrolle in der
Produktion. Das Entwerfen von Texten ist ein spannungsgeladener
konsenspflichtiger Prozess, und die Auswahl von Bildmaterial
unterliegt inhaltlich-politischen, nicht inhaltlich-ästhetischen
Regeln.
Eine dritte Hierarchie macht sich am Körper fest. Je
offensichtlicher der Körper und womöglich seine Gefährdung
in Zusammenhang mit dem Inhalt gebracht wird, als desto
relevanter wird seine Politizität gelesen. Im hybriden
Kontext kann dies eine Ordnung generieren, die die politische
Praxis vom Klischee des Streetfighters aus imaginiert,
statt die reale, auch soziale, Praxis wahrzunehmen.
Diese Hierarchie generiert zum Beispiel in der Organisation
der Grenzcamps eigenständige so genannte Schutz-Strukturen
mit militärischem Habitus und entsprechend überkommener
Bedeutungsaufladung bis hin zur geschlechtsspezifischen
Rollenzuteilung. Die am Körper festgemachte Hierarchie
zeigt sich auch an der Zensur mechanischer und digitaler
Symbolproduktion im Kontext des politischen Aktivismus.
Dem Verbot zu Fotografieren oder Videoaufzeichnungen
und Sprachaufnahmen anzufertigen, liegt die hierarchische
Abwägung zu Grunde, die eine Gefährdung in der Aufzeichnung
gerade von Körperlichkeit behauptet. Zum Beispiel generierte
das auf dem Strassburger Grenzcamp 2002 beschlossene
Verbot der Anfertigung von Bild- und Tonmaterial nur
noch Absurdität: Schon allein aus städtebaulichen Gründen
war den staatlichen Ordnungskräften eine Dokumentation
aller Körper im Strassburger Camp unbenommen, während
sie Campteilnehmerinnen verwehrt war. Zugleich offenbarte
das Verbot die gegenüber körperlichen Aktionen nachrangige
Wertung künstlerischer Verfahren in der Symbolproduktion.
Sie werden in der Logik der am Körper festgemachten
Hierarchisierung unauthentisch und im besten Fall als
Schmuck begriffen und genutzt.
Am ehesten wird die Sinnhaftigkeit von Kunst im Kontext
des politischen Aktivismus mit dem Argument akzeptiert,
hier könne Rückendeckung im Kunstbetrieb gesucht oder
- in der Banalisierung dieses Arguments - einfach Kohle
abgefasst werden. Die Leichtgängigkeit dieses Arguments
fußt im Ansatz, dass die Kunst hier dienlich, weil finanziell
angewandt werden kann. Das Argument erspart zugleich
die Befassung mit den Inhalten ästhetischer Produktion
und den Bedingungen des Kunstbetriebs. Im Falle anderer,
weil als politisch gewerteter Bündnisse, wäre sie selbstverständlich.
Das zeigt zum einen, dass die sogenannte ,Rückendeckung'
von der Trennung von Kunst und Politik ausgeht. Zum
anderen führt die als ,Rückendeckung' argumentierte
Kooperation zur Übernahme des Kuratorenmodells des Kunstbetriebs
in die hybride Praxis, ohne dass die in der Kunst mögliche,
institutionenkritische Reflexion dieses Modells mit
übernommen wird. Salopp gesagt entstehen ,Szenekuratorinnen',
die an der Schnittstelle zwischen Kunstbetrieb und hybrider
Praxis Repräsentanz beanspruchen und realisieren, ohne
dass deren ästhetische, politische oder persönliche
Strategie befragt werden kann. Begünstigt wird die Entstehung
eines Curatings auch dadurch, dass die Traditionen des
Museumsbetriebs mit dem skizzierten Set an Hierarchien
korrelieren.
Dies markiert auch die Konfliktlinien hybrider Praxis,
die sich festmachen lassen an Stichworten wie Repräsentanz,
strategischem oder taktischem Verständnis der jeweiligen
Praxis, vor allem jedoch an identitätspolitischen Herangehensweisen.
Identitätspolitik, hier verstanden als die Gewinnung
politischer Handlungsfähigkeit durch die Konstruktion
von Identität durch Ein/Ausschlussverfahren, mag als
temporäre Plattform zwar politisch notwendig sein, unterstützt
jedoch als langfristig angelegte Strategie die Reproduktion
der Herrschaftsverhältnisse.
Deshalb war es immer wieder Ziel der hybriden Praxis
von kein mensch ist illegal Identitäten nicht zu befestigen,
sondern ganz im Gegenteil nach Schnittmengen, Übergängen,
Auflösungen, taktischen Gemeinsamkeiten, zumindest nach
produktiven Missverständnissen zu suchen. So erscheint
die Kunst und Politik verbindende Praxis manchmal als
plug and play realisierbar, obwohl ihre Hybridität
gerade einen Neustart erfordert.
Aus: Gerald Raunig (Hg.), TRANSVERSAL. Kunst und
Globalisierungskritik. Wien: Turia + Kant 2003
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