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"Der Fall der kommunistischen Partei der
Sowjetunion und die unverhüllte Herrschaft des
demokratisch-kapitalistischen Staates auf globaler Ebene
haben die zwei hauptsächlichen ideologischen
Hindernisse für die Wiederaufnahme einer politischen
Philosophie, die auf der Höhe unserer Zeit wäre, aus
dem Weg geräumt: den Stalinismus auf der einen Seite,
den Progressismus und den Rechtsstaat auf der anderen.
So sieht das Denken sich dem, was ihm aufgegeben ist,
heute erstmals ohne jede Illusion und ohne mögliche
Ausflucht gegenüber."
(Giorgio Agamben, Noten zur Politik, in: ders., Mittel
ohne Zweck, diaphanes 2001, 105)
Agamben beschreibt
mit größter Klarheit die Situation, in der wir arbeiten.
Wir verlieren zunehmend unsere Illusionen angesichts
der anachronistischen Art, in der die heutige Gesellschaft
sich entschieden hat, ihre Oppositionen zu überwinden
und ausreichenden Konsens zu finden, um weiter zu machen.
Wir können heute nicht umhin, den Sozialismus als Scheitern
zu verstehen, können die Sozialdemokratie nur als den
gebrochenen Kompromiss erkennen, der sie auch ist, und
beugen uns vor dem globalen demokratischen Kapitalismus
nur als letzter noch übriger Idee. Im Gegenzug tun die
neo-konservativen Evangelisten alles, um aus diesem
(hoffentlich kurzen) Moment Nutzen zu ziehen.
Die Frage, die Agambens
einleitendes Zitat aufwirft, ist, wo und wie die Theorie
ihre Aufgabe wahrnehmen kann, eine erneuerte politische
Philosophie zu schaffen. Was das Feld der modernen Kunst
anbelangt, könnte die alte Politik der Linken als eine
Art Universum der Antimaterie – in seiner Vertrautheit
auf viele künstlerische Anliegen anspielend, aber ununterbrochen
die Zerstörung seiner in Ehren gehaltenen Freiheit
androhend – vorgestellt werden. Die Veränderungen in
der modernen und sogar sehr aktuellen Kunst oszillieren
zwischen dem Wunsch nach sozialem (und politischem)
Engagement und der Leidenschaft für künstlerische Autonomie
– doch hat sich herausgestellt, dass es alle beide Extreme
nicht gibt. Kunstinstitutionen, Museen und Galerien
waren normalerweise nichts anderes als Behälter, die
diese Aktivitäten beherbergen. Gelegentlich allerdings
wurden diese Orte, an denen Kunst stattfindet, auch
zu kreativen Motoren für ein Neudenken der Kategorien
bildender Kunst und der Rolle von KünstlerInnen, für
die Frage, wie visuelle Kultur das persönliche Bewusstsein
verändern kann und sogar die Welt.
Wenn wir damit beginnen,
uns eine umstrittene kulturelle Zukunft vorzustellen,
könnte es sein, dass es die letztgenannte Möglichkeit
ist, die wir wiederbeleben müssen, selbst wenn wir erkennen,
dass sie von einem kollaborativen Engagement der "freien"
KünstlerInnen in den Institutionen abhängig ist. Dieses
schwierige Terrain zwischen Einbindung und Autonomie
oder zwischen sozialen Anliegen und Subjektivität haben
wir im Rooseum in den letzten drei Jahren zu erforschen
versucht. Mit unterschiedlichem Erfolg haben wir Projekte
wie In 2052 Malmö will no longer be Swedish, Open Forum
und the Future Archive, sowie Ausstelllungen wie Intentional
Communities, Baltic Babel, Superflex, Creeping Revolution
und Rooseum Universal Studios entwickelt, mit dem grundlegenden
Ziel, den Zweck dieser regionalen schwedischen Kunsthalle
und ihr Publikum neu zu definieren. Das Rooseum ist
selbstverständlich nicht einzigartig in diesem Vorhaben,
aber doch relativ isoliert. Sein Standort in einer Kleinstadt
in einem traditionell sozialdemokratischen Staat stellt
ein spezifisches Umfeld zur Verfügung, in dem die Realität
sozialen Engagements außerhalb der Kunstwelt intensiv
überprüft werden kann.
Ich bin mir bewusst,
dass der Anspruch auf Vorrechte im Namen einer Kunstinstitution
Gefahren birgt; nicht zuletzt jene, dass die Tolerierung
der Kultur durch den Kapitalismus einfach als Mittel
der Ablenkung des Widerstands von angemesseneren Aktivitäten
dient. Doch in dieser Situation, die Agamben als politische
"Stunde Null" bezeichnete, charakterisiert
durch das, was der slowenische Philosoph Slavoj Zizek
das "Denkverbot" nannte, das alles Denken
außerhalb des demokratischen Kapitalismus ausschließt,
bin ich ebenso wenig sicher, ob irgendwelche der bestehenden
formellen oder informellen politischen oppositionellen
Kanäle irgend eine Wirkung auf das System haben.
Kunst ist schließlich
nicht dasselbe wie Politik und kann nicht als politische
Aktion mit anderen Mitteln betrachtet werden. Stattdessen
muss sie, um Agamben zu zitieren, "ihre eigene
Aufgabe ohne jede Illusion wahrnehmen". Ich bin
optimistisch, dass eine solche Aufgabe innerhalb experimenteller
Kunstinstitutionen definiert werden kann, indem das
breite Feld zeitgenössischer Kunst als offener und imaginativer
Raum für den Ausdruck individueller und kollektiver
Sehnsüchte benützt wird, die in aktuellen politischen
Diskursen keinen Platz haben oder nicht einmal bedacht
werden können. Natürlich finden sich KünstlerInnen,
öffentliche Institutionen und von KünstlerInnen selbst
organisierte Orte, die Kunst produzieren und vorantreiben,
alle notwendigerweise innerhalb der ökonomischen Hegemonie
des Kapitalismus verortet. Sie waren immer schon Teil
davon, aber diese eingeschriebene Position ist möglicherweise
gerade ihr Vorteil. Sie befinden sich in einem "eingebunden-autonomen"
Verhältnis zum Kapitalismus, ebenso wie zur politischen
Opposition oder zu den sozialen Bewegungen - komplizenhaft,
aber davon getrennt, auf eine Art, die sowohl die Irrelevanz
von Kunst wie auch ihr Potenzial, ihre Möglichkeit definiert,
- in Superflex' Worten – Werkzeuge des Denkens und Verknüpfens
zu werden.
Der Begriff Möglichkeit
('possibility') scheint ein wesentlicher zu sein in
diesem Thema. Was unsere Ideen im Rooseum vorantreibt,
ist das Konzept (und die Herausforderung), diese Möglichkeit
zu schaffen für KünstlerInnen, für das Publikum und
vielleicht auch für unsere Stadt und ihre EinwohnerInnen.
Möglichkeit ist in diesem Zusammenhang ganz einfach
eine Bedingung, anders zu denken oder sich Dinge anders
vorzustellen, als sie sind. Möglichkeit zu schaffen
ist kein fixer Standpunkt, sondern eine unsichere und
wandelbare Bedingung aus räumlichen, zeitlichen und
relationalen Elementen. In anderen Worten, damit Möglichkeit
entstehen kann, braucht es einen Ort, einen Moment und
eine Gruppe von Personen - also "Material",
das unausweichlich in den Händen öffentlicher Kunstinstitutionen
liegt und in ihrem Potenzial, ein breiteres Spektrum
der Gesellschaft anzusprechen.
Es existieren im
aktuellen Klima wenige exemplarische Modelle dieser
Herstellung von Möglichkeit. Es gibt keine klaren Formeln,
denen zu folgen wäre, obwohl der heute geläufige Sprachgebrauch
von "Labors" und "Fabriken" uns
gewisse Modelle aus der Wissenschaft und Industrie nahe
legt. Ich bin aber eher unsicher, was diese Begrifflichkeiten
anbelangt, da sie die Position der Öffentlichkeit der
BesucherInnen auszuschließen scheinen – da sowohl Labors
als auch Fabriken per definitionem nicht-öffentliche
Produktionsstätten sind. Um die Institution in der besten
Weise zu nützen, müssen wir ein Gleichgewicht zwischen
dem Bedürfnis nach nicht-öffentlichem Experiment und
öffentlicher Diskussion herstellen, besonders da die
Foren allgemeiner Intervention weniger werden durch
die Privatisierung öffentlichen Raums. Kunst und ihre
Institutionen müssen sich in eine andere Richtung bewegen,
wenn sie die Rolle von Foren politischer Imagination
spielen wollen.
Wenn eine Kunstinstitution
heute das Potenzial hat, ein solcher Ort zu werden,
muss sie damit beginnen, ihre konstituierenden sozialen
AkteurInnen in komplexerer Form zu definieren denn als
KünstlerInnen, KuratorInnen und BetrachterInnen und
neue Formen des Austauschs zwischen ihnen zu entwickeln.
Ich würde mir das Rooseum und ähnliche Einrichtungen
gern als "Orte demokratischer Abweichung"
vorstellen, wo Ideen, die jenseits dessen liegen, was
Zizek als "Denkverbot" definiert hat, von
allen TeilnehmerInnen eingebracht und spezifische Themen
über längere Zeit als nur durch eine einzige Ausstellung
zur Diskussion gestellt werden. Die Aufgabe der Institution
wäre es dann, sich in einem gewissen Maß zu verwandeln,
ein Ort klarer Kommunikation ihrer eigenen Anliegen
zu werden, um die Kunst zu ermutigen, "ihre eigene
Aufgabe wahrzunehmen" oder über den Kapitalismus
der freien Märkte hinaus zu denken. Dem müssten eine
Aufnahmebereitschaft für künstlerische Vorschläge sowie
direkte Einladungen und Großzügigkeit in den daraus
resultierenden Dialogen folgen. Die Herstellung von
Raum und Zeit und die Annahme von möglichst weit reichenden
Ansätzen kann nur durch den vollen Einsatz für solche
Prozesse ermöglicht werden.
Die praktische Anwendung
eines solchen Ansatzes ist natürlich immer in gewisser
Weise enttäuschend. Realität kann nie der Rhetorik entsprechen,
wobei dies nicht bedeutet, dass die Rhetorik selbst
nicht notwendig wäre oder nicht wirklich ambitioniertere
und sorgfältiger durchdachte Projekte unter den spezifischen
Bedingungen einer realen Kunsthalle inspirieren kann.
Ich glaube, dass im Rooseum einige Projekte an Momente
einer genuinen Möglichkeit oder demokratischen Abweichung
nahe herangekommen sind. Eine Beschreibung in Textform
ist natürlich inadäquat, kann aber einen Eindruck davon
vermitteln, wohin wir in den letzten Jahren der Arbeit
gelangt sind. Im Jahr 2001 beschrieb ich die neue Mission
des Rooseum folgendermaßen:
"Was ist der
Sinn einer Kunstinstitution wie das Rooseum? Man ist
verleitet zu sagen 'Hoffnung, Glauben und Wohltätigkeit
in schwierigen Zeiten anzubieten', aber das ist zu glatt.
Vor einiger Zeit schien es, dass Kunstinstitutionen
sich dem Bestimmungswort 'Kunst' und seinen geläufigen
Bedeutungen verpflichtet fühlten. Heute könnte der Begriff
'Kunst' beginnen, den Raum des Experimentierens, Infragestellens
und Entdeckens in der Gesellschaft zu beschreiben, den
Religion, Wissenschaft und Philosophie früher gelegentlich
eingenommen haben. Sie wurde zu einem aktiven Raum statt
eines der passiven Beobachtung. Deshalb müssen die Institutionen,
die einen solchen Raum unterstützen, teils Community
Centre, teils Labor und teils Akademie sein, mit weniger
Bedarf nach der althergebrachten Ausstellungsfunktion.
Die Konsequenzen unserer extremen Politik des freien
Marktes bedenkend, müssen sie auch direkt politisch
sein. Zweitrangig sind die Fragen, ob einzelne Institutionen
den Mut haben werden, ihre eigene Ausgewogenheit in
diesem Mix zu finden oder ob sie den alten Zenrum-Peripherie-Modellen
folgen, und ob die Förderstellen davon überzeugt werden
können, die touristische Rechtfertigung von Kunstinstitutionen
zugunsten eines stärkeren kreativen Denkens und sozialer
Intelligenz aufzugeben. Damit möchten wir versuchen,
uns in den nächsten Jahren zu beschäftigen. Der erste
Schritt besteht in einer Neuorientierung der Ausrichtung
der Organisation durch eine Verschiebung der Identität
der Architektur der alten Elektrizitätswerke. Die drei
Ebenen werden nach Funktionen getrennt werden, mit Studios
und einem Projektraum auf der oberen Ebene, eine Haupthalle
für große Ausstellungen und Produktionen im Erdgeschoss
und einem Archiv und Mikrokino im Untergeschoss."
Drei Jahre später
hat das Rooseum seine verschiedenen Aktivitätsstränge
entwickelt und etwas erreicht, das nahe an dieser Mischung
aus Community Centre, Club, Akademie und Ausstellungsraum
liegt, die wir ursprünglich vorgeschlagen hatten. Während
wir die Anzahl der MitarbeiterInnen hielten, haben sich
unsere BesucherInnen radikal verändert. Es gibt heute
weniger allgemeines Publikum denn viel mehr spezifisch
engagierte Gruppen oder Einzelne, die mit uns an Projekten
arbeiten oder wieder kommen, um die Entwicklung von
langfristigen Programmen zu verfolgen. Ich bin überzeugt
davon, dass dies auch für die Zukunft die richtige Richtung
für das Rooseum ist. Mit unserem Standort Malmö sollten
wir das Umfeld von Ausstellung und Kunsträumen rund
um uns miteinbeziehen, ebenso wie den einzigartigen
Charakter der Stadt selbst. Mit einer Kunsthalle und
einem Kunstmuseum neben einer Reihe kleinerer Ausstellungsräume
und Kinos ist die Stadt im Verhältnis zu ihrer Größe
reich an "Kunst-Ausstellungen". Mit der Universität
und der Kunstakademie hat sie ein heranwachsendes junges
Publikum, das über genug Zeit und Neugierde verfügt,
um sich in komplexeren Programmen oder Aktivitäten zu
engagieren. Mit einer wichtigen Community von BürgerInnen
mit engen Verbindungen zu Kulturen außerhalb Schwedens,
muss der Wert internationalen Kulturaustausches auf
der Mikroebene kaum erklärt werden. Als Geburtsort der
schwedischen Sozialdemokratie kann die Stadt souverän
eine progressive Rolle in der Neubildung der Kulturpolitik
des Landes einnehmen.
Projekte und Ausstellungen
wie "Superflex – Supertools" und "Baltic
Babel – cities on a nervous coast" wie auch das
langfristige Aufenthalts- und Auftragsprogramm "In
2052 Malmö will no longer be Swedish" boten einen
kritischen Blick auf öffentliches Engagement, Regionalismus
und kulturelle Identität. Andere Initiativen wurden
angesichts des "real existierenden" Malmö
entwickelt und konzentrierten sich auf die verschiedenen
Elemente, die wir in der Stadt und ihrer Geschichte
beobachtet haben. Das "Öppet Forum"-Programm
lokaler Gruppen, die ihre eigenen Aktivitäten in einem
Raum im Rooseum entwickeln, umfasste Aktivitäten von
Möbeldesign bis zu einer sehr wichtigen Initiative mit
dem Titel "Curiocity", organisiert von der
Gruppe Aeswald, die wirklich viele marginalisierte Gruppen
ins Museum brachte und der Möglichkeit kultureller Aktivität,
die dazu dient, wahrgenommen zu werden. In einem anderen
Sinn stellt unser Critical Studies-Programm einen internationalen
Kontext her, und vermittelt dem Rooseum 8-12 junge KünstlerInnen,
KuratorInnen und KritikerInnen, die zum Ideen- und Projektpool
rund um die Organisation beitragen. Viele unserer Ansätze
ziehen langfristige und stille Beharrlichkeit künstlerischer
Arbeit dem Spektakel der Ausstellung vor. Die Intention
ist, die Aufenthalte, Studieninitiativen, Open Forum-Projekte
und kleine Werkpräsentationen oder Screenings zum Lebensnerv
eines aktiven, denkenden Rooseum zu machen, das mit
der Stadt durch Myriaden vertrauter, kleinerer Verbindungen
verbunden ist.
Die sich daraus ergebende
Frage ist jene nach der Funktion einer Kunstinstitution
an einem bestimmten Ort, wenn nicht die Funktion von
Kunst selbst. Ich würde behaupten, dass Kunsträume verpflichtet
sind, sich nachweislich von anderen, dem Konsum gewidmeten,
öffentlichen Räumen, die unsere Städte eingenommen haben,
zu unterscheiden. Die Displays haben hier einige Aspekte
bildender Kunst in ihrer verführerischen, verlockenden
und phantastischen Attraktion angenommen. Aber da diese
Präsentationen auf ein einziges Ziel ausgerichtet sind
– den individuellen Konsum –, ist ihre mögliche Wirkung
auf unsere Vorstellungskraft und unser Denken beschränkt.
Es handelt sich um ästhetische Mittel zum Zweck einer
vorherbestimmten Motivation, die in Widerspruch stehen
zu jeder Idee künstlerischer Freiheit, wie sehr diese
heute auch in Misskredit geraten sein mag.
Öffentliche Räume
wie das Rooseum sollten versuchen, sich mit dieser Idee
der Freiheit auseinander zu setzen – sie sicherlich
in Frage zu stellen und zu kritisieren, aber doch die
Idee einer Gesellschaft frei denkender BürgerInnen als
mögliche Realität zu entwerfen, wenn auch nur für einen
bestimmten Moment und an einem bestimmten Ort. Die Freiheit,
die wir vorschlagen, ist eine, die die Verschiedenheit
von Meinungen, Inkohärenz, Unsicherheit und unvorhersehbare
Ergebnisse anregt. Sie liegt auch in der Lokalität ihrer
Herstellung begründet und ist ein Vorschlag für das,
was gerade hier nötig sein könnte. Dies dem/r BesucherIn
begreifbar zu machen, verlangt vor allem nach Gastfreundlichkeit,
aber auch nach eine Anerkennung der Schwierigkeit, die
Zeit und Energie der Menschen in unserer hyperaktiven
Gesellschaft in Anspruch zu nehmen. Deshalb muss es
in einer bescheidenen Art getan werden, im Laufe der
Zeit und in einem Verhältnis zur Stadt. Es reicht nicht
aus, sich in Isolation ein gutes, internationales Programm
auszudenken; stattdessen muss das, was wir tun, die
einzelnen Mikro-Communities, die die Stadt ausmachen,
ansprechen.
Dies ist sicher ein
anspruchsvolles Programm für einen kleinen und relativ
schwachen institutionellen Rahmen. Aber es scheint,
dass eine Institution nur als solcher Ort auch nur beginnen
könnte, die Forderung nach neuen oder höheren öffentlichen
Förderungen zu rechtfertigen. In den verschiedenen Formen
des europäischen Sozialismus und der Sozialdemokratie,
erschöpft durch Jahre unerbittlicher Attacken durch
die FundamentalistInnen des freien Marktes, ist das
Bedürfnis gering, weiter die Bastionen so genannter
"elitärer" Kunstinstitutionen zu verteidigen.
Egal, ob der Rückgang finanzieller Unterstützung plötzlich
oder graduell vonstatten geht, er ist mehr als wahrscheinlich.
Im Gegenzug müssen wir, die der Kultur als Experimentierfeld
für die Zukunft verpflichtet sind, unsere Werkzeuge
neu gestalten. Das Argument des ökonomischen Beitrags
wird langfristig nicht funktionieren, weil der sozialdemokratische
Staat Kultur einfach privatisieren und sie in dem Kampf
mit anderen Formen des KonsumentInnen-Entertainments
aufgeben wird. Vielleicht können kulturelle Paläste
im 21. Jahrhundert überhaupt nur gerechtfertigt werden,
wenn sie - nicht zuletzt gegenüber den kulturellen AkteurInnen
selbst - als Orte "demokratischer Abweichung"
erkannt und bestätigt werden.
Übersetzung: Therese
Kaufmann
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