|
Womit ich beginnen
möchte, liegt auf der Hand oder ist sogar banal: Wie
alle Museen oder kulturellen Institutionen befindet
sich das MACBA inmitten der Überschneidung ökonomischer
und politischer Interessen, geprägt durch die aktuelle
Transformation westlicher Städte in Richtung des tertiären
Sektors (in dem der Tourismus ein zentrales ökonomisches
Ziel ist). Die neuen städtischen Ökonomien im postfordistischen
Kapitalismus geben der Kultur einen zentralen Stellenwert.
Viele TheoretikerInnen, von Frederic Jameson in den
frühen achtziger Jahren bis zu David Harvey oder jüngst
Negri und Hardt, um nur einige wenige zu nennen, haben
diesen Prozess beschrieben. Als "kognitiven Kapitalismus"
bezeichnen wir die Tatsache, dass der Postfordismus
(auf der Basis immaterieller, kommunikativer und affektiver
Formen der Arbeit) Subjektivität nutzbar macht, wie
Paolo Virno beispielhaft analysiert hat. In diesem Zusammenhang
ist das kulturelle Feld als autonomer Raum für Widerstand
oder Kritik (also die Wahrung einer relativen Autonomie
gegenüber Politik und Ökonomie) nicht mehr haltbar.
Wir können den kulturellen Bereich nicht auf der Basis
einer Kritik der instrumentellen Vernunft verteidigen,
da heute die Subjektivität selbst in den Prozessen des
Kapitalismus verankert ist. Wir brauchen andere Diskurse,
um die spezifische Bedeutung von Kunst und Kultur über
das klassisch modernistische Paradigma gegen die instrumentelle
Vernunft hinaus zu verteidigen. Doch welche Diskurse?
Natürlich bieten die postmodernen Cultural Studies eine
Alternative. Doch diese kann auch unzulänglich oder
sogar sehr problematisch sein, wie wir an den perversen
Effekten der neuen Museen wie Guggenheim in Bilbao oder
Palais de Tokyo in Paris sehen. In diesen Museen produziert
das multikulturelle Paradigma so etwas wie einen reaktionären
Backlash: wahllose, falsche Toleranz und falsche Partizipation,
die alle an ihren Orten belässt. Ein solches Paradigma
bleibt politisch wirkungslos, weil der romantisierende
Respekt von Differenz(en) jede wirkliche soziale Veränderung
nur verhindert. Genau das ist das Problem, nämlich sinnvolle
alternative und emanzipatorische Methoden und Diskurse
zu finden, und ich biete hier keine Lösung oder ein
Modell an. Ich spreche nur über unsere Erfahrungen in
Barcelona. Es scheint klar, dass uns die derzeitige
Situation zwingt, die historischen Modelle politischer
Kunst oder einer politisch produzierten Kunst, die meist
in einem republikanischen Ideal verankert sind, das
heute nicht für die Entwicklung eines transformativen
Denkens und Handelns im öffentlichen Raum ausreicht,
neu zu denken und zu reformulieren. Wir müssen lokal
arbeiten, um sinnvolle und relevante Methoden zu finden,
in denen künstlerische Autonomie neu definiert werden
kann. Wir glauben, dass es notwendig ist, eine Spannung
zu halten zwischen der Spezifität des Künstlerischen
und den Bedingungen und Grenzen jeder Situation. Autonomie
ist dann nicht eine Gegebenheit als Essenz des Künstlerischen,
sondern eine Konstruktion, ein Ort der Verhandlung.
Diese Verhandlung besteht natürlich zwischen der Autonomie
selbst und ihrem Gegenteil, der Instrumentalisierung,
und beide Extreme, Autonomie und Instrumentalisierung,
sind ständig präsent und in sich selbst relativ. Wieder
wird deutlich, dass die modernistische Behauptung künstlerischer
Autonomie in einem Kontext, in dem diese Autonomie nicht
besteht (sondern eigentlich ein versteckter Diskurs
falscher Depolitisierung und damit eine Instrumentalisierung
ist) vollkommen unzulänglich ist (um nicht zu sagen
regressiv). Es ist notwendig, nach anderen Ansätzen
zu suchen.
Das MACBA liegt in
Raval, einer komplexen Gegend im historischen Zentrum
von Barcelona, die zur Zeit Ort eines Kampfes zwischen zwei unterschiedlichen Kräften
ist: erstens, der Kraft der Gentrifizierung. Seit Mitte
der 1980er Jahre betreibt die Stadtregierung die soziale
Transformation des historisch von der Arbeiterklasse und
einer subproletarischen Bevölkerung geprägten Bezirks.
Im Rahmen dieser sozialen Veränderung spielen Kunst-
und Kulturinstitutionen (wie Universitäten, Theater,
Kunstzentren, das MACBA selbst ...) eine maßgebliche
Rolle. In den letzten Jahren wurden einige Teile der
Altstadt von Raval von den neuen urbanen Mittelklassen
eingenommen (was auch eine steigende Anzahl neuer
Fashion Stores, Restaurants, Bars und Clubs anschaulich
macht). Auch das Ansteigen der Wohnungspreise im
Bezirk (bis vor Kurzem die billigste Gegend der Stadt)
unterstützt die Ankunft neuen Wohlstands. Aber der
Kampf wird fortgesetzt, da der Bezirk auch der kulturell
Komplexeste in Barcelona und die Zuwanderung neuer
MigrantInnen in den letzten Jahren enorm angestiegen
ist. Dies ist die zweite Kraft in diesem Kampf. Raval
hat neben einer wichtigen nordafrikanischen Community
(meist aus Marokko) eine große pakistanische und einige
andere nicht-westlichen Communities (philippinische, osteuropäische,
lateinamerikanische, usw.). Diese sich meist aus armen
und illegalisierten Menschen zusammensetzenden
Communities zeigen eine starke Kapazität, einzelne
Gegenden des Bezirks zurück zu erobern. Die von der
Stadtregierung beförderten urbanen Strategien sind
eindeutig auf die Schaffung von Sicherheit und
Sauberkeit für die neuen Mittelklassen und für den
Tourismus ausgerichtet. Welche der beiden Kräfte den
Kampf gewinnen und die künftige Entwicklung bestimmen
wird, ist nicht klar, es ist aber mehr als vorhersehbar,
dass Kapital und urban
engineering gewinnen werden. Es sei denn, das ökonomische
- tourismusorientierte - Modell von Barcelona macht sich
nicht bezahlt.
Was tut das MACBA
in diesem Kontext? Die Komplexität von Raval bedingt,
dass es keine offensichtlichen oder einfachen Formen
der Auseinandersetzung mit dem Umfeld gibt. Was das
Museum aber tun kann, ist, sich kritisch mit den Bedingungen
von Kunst und Kultur heute zu beschäftigen und einen
Diskussionsraum offen zu halten. Wir tun das. Einige
unserer öffentlichen Programme und Diskussionen basieren
genau auf der Kritik der aktuellen Überschneidung von
Finanzkapital, Immobilienmarkt und Kultur. Wir arbeiten
auch in Projekten mit einzelnen Gruppen der Umgebung,
z.B. mit Straßenprostituierten, um deren rechtliche
Anerkennung zu erlangen (hier ist es wichtig, die lange
Geschichte von Raval als Barcelonas Rotlichtbezirk,
dem Barrio Chino, mitzubedenken), oder mit NGOs, die
mit obdachlosen Kindern und Teenagern Aktivitäten entwickeln.
In jedem dieser Beispiele geht es um die Entwicklung
spezifischer Projekte mit spezifischen Gruppen mit einer
spezifischen Zielsetzung. Nicht alle diese Projekte
sind sichtbar oder leicht zu vermitteln. Dies beschränkt
sich natürlich nicht auf das Umfeld, sondern ist Teil
eines größeren Zusammenhangs von Denk- und Praxisansätzen
darüber, wie das Museum zur Wiederherstellung eines
radikal öffentlichen Raums beitragen und so eine zentrale
Rolle im Leben der Stadt spielen kann. Es ist wichtig
zu verstehen, dass wir ortsgebunden arbeiten, um mit
globalen Problemen und Bedingungen umzugehen.
Wir glauben, dass
unser Beitrag zu einem radikal demokratischen öffentlichen
Raum ganz einfach darin besteht, selbstkritisch und
offen für Auseinandersetzungen zu sein. Diskursive Aktivitäten
haben im MACBA eine zentrale Rolle, und wir versuchen,
die Hegemonie des Mediums Ausstellung als Hauptmethode
oder –ort des Museums auszugleichen. Wir glauben, dass
Öffentlichkeiten verschieden sind und verschiedene Interessen
haben und dass wir verschiedene, unhierarchische Formen
der Benützung des Museums ermöglichen müssen. Diese
beschränken sich nicht auf den Ausstellungsraum. Wir
versuchen auch, Methoden der Verbreitung von Diskursen
über die Website und andere Formen von Publikationen
und Publizität zu untersuchen. Worum es hier geht, ist
ein Verständnis der Prozesse der Herstellung von Öffentlichkeiten
und der Prozesse der Verbreitung von Diskursen im öffentlichen
Raum.
Öffentlichkeit und
öffentlicher Raum sind moderne Konzepte, die eine Reihe
von Bedeutungen gleichzeitig umfassen und reflexiv definiert
sind. Öffentlichkeit hat zu tun mit dem Allgemeinen,
mit dem Staat, mit geteilten oder gemeinsamen Interessen,
mit dem für alle Zugänglichen. Öffentlichkeit hat eine
kognitive Dimension, aber auch eine politische und eine
poetische. Öffentlichkeit hat die doppelte Bedeutung
von sozialer Totalität und einem spezifischen Publikum.
In der Opposition von öffentlich und privat gibt es
eine historische Bewegung, die genau von jener der Öffentlichkeiten
und deren Formen der Selbstorganisation herrührt. Diese
Opposition von öffentlich und privat ist insofern ein
Ort des Konflikts, als sie Momente der Ungleichheit
mit sich bringen kann, wie wir vom Feminismus gelernt
haben.
Michael Warner hat
diesen Widerspruch und diese Pluralität von Bedeutungen
des Begriffs der Öffentlichkeit sehr genau in seinem
Artikel "Publics and Counterpublics”
beschrieben. Die zentrale Idee besteht darin, dass Öffentlichkeiten
schwer fassbare Formen sozialer Gruppierung sind, die
sich reflexiv um spezifische Diskurse artikulieren.
Öffentlichkeit ist einer der am häufigsten wiederkehrenden
Begriffe in der kulturellen Diskussion und auch mit
der größten Legitimität ausgestattet, doch bedeutet
das nicht, dass es sich um einen einfachen Begriff mit
einer offensichtlichen Bedeutung handelt. Kunst scheint
eindeutig eine öffentliche, auf Diskussion und Konfrontation
mit anderen ausgerichtete Aktivität zu sein. Aber wir
benötigen möglicherweise eine Neudefinition dessen,
was wir mit Öffentlichkeit meinen.
Wir sehen heute beispielsweise,
dass viele Institutionen und Kulturpolitiken nach und
nach die traditionellen modernen Diskurse über den universellen
Zugang zu Kunst und Kultur als allgemeines Gut (und
so verstanden als per se zugänglich und durch das reine
Ausstellen positive Effekte erzielend) durch einen neuen
ersetzen, der auf einer Assimilation kultureller Erfahrung
mit Konsumptionsprozessen beruht. Wir sehen hier eine
Ineinssetzung von Öffentlichkeit mit Konsumption, also
dem Zugang zu Waren. Im Gegensatz zu einer homogenisierenden,
abstrakten Konzeption des Betrachters, die typisch für
die moderne Kunst und ihre Institutionen ist, neigt
dieser neue Diskurs der Kulturindustrien, in dem Öffentlichkeit
mit Konsumption gleichgesetzt wird, zu einer Anerkennung
von Differenzen, allerdings nicht im Sinne einer Anerkennung
politischer Minderheiten, sondern gemäß von Marktkriterien.
Dies führt zu populistischen Kulturpolitiken, die dem
Muster von TV-Konsum folgen und deshalb die gleichen
Konsequenzen haben, wachsende Banalität und Dürftigkeit,
und in denen das kritische Potenzial und die emanzipatorische
Dimension kultureller Erfahrung (die auf der Auseinandersetzung
mit realen Erfahrungen und Problemen beruht) zugunsten
einer falschen Partizipation vernichtet werden. Arbeiten
für die Öffentlichkeit, bedeutet hier, dieser zu geben,
was sie erwartet. Dies setzt die Präexistenz von verständlichen,
messbaren und durch statistische Prozesse kontrollierbaren
Öffentlichkeiten voraus und sichert so die Reproduktion
der bestehenden sozialen Ordnung. Im Mai 2004 findet
in Barcelona die Eröffnung einer Veranstaltung mit dem
Titel Forum Universal
de les Cultures statt, ein populistisches Ereignis,
das Kultur als Rechtfertigung für groß angelegte städtische
Eingriffe benützt. Wir hatten in Barcelona bereits eine
Menge solcher kulturell definierter Konsensbildung,
und man könnte es als lokale Expertise bezeichnen. Das
berühmte Barcelona-Modell ist in hohem Maße das Ergebnis.
Es ist kaum notwendig darauf hinzuweisen, dass alle
sozialen Bewegungen in der Stadt gegen dieses Großereignis
sind, und wir werden in den nächsten Monaten eine Reihe
von Protesten sehen.
Dieser konsensuale
Diskurs hat bremsende Konsequenzen für die Zivilgesellschaft,
weshalb wir einen alternativen Diskurs vorschlagen:
Öffentlichkeit prä-existiert nicht als vordefinierte
Einheit, die es nur anzusprechen und zu manipulieren
gilt. Sie wird in einer offenen, unvorhersehbaren Weise
im Prozess der
Diskurse selbst und durch deren verschiedene Mittel
und Formen der Verbreitung gebildet. Öffentlichkeit
existiert nicht einfach passiv und auf die Ankunft kultureller
Güter wartend; sie bildet sich im Prozess ihrer Benennung
heraus. Öffentlichkeit ist eine provisorische Konstruktion
in ständiger Bewegung. Die Konsequenz aus dieser Sichtweise
in Hinblick auf kulturelle Politiken und Praxen ist
eine radikale Infragestellung der vorherrschenden Konzepte
kultureller Produktion und Konsumption, denen zufolge
die Rollen unverrückbar und fest definiert sind, und
die deshalb nur reproduzieren, was bereits existiert.
Die Zurückweisung dieses konsensualen Diskurses eröffnet
eine Reihe von Möglichkeiten für neue Aktionen, in denen
Öffentlichkeit eine aktive Rolle als Produzentin einnimmt,
und die so die Hervorbringung neuer sozialer Strukturen
ermöglichen. In diesem Sinn scheint Öffentlichkeit ein
Projekt mit dem Potenzial, etwas herauszubilden, das
noch nicht existiert und das zu anderen sozialen Formen
führen kann. Es ist gerade dieses Nichtbestehen einer
Prä-existenz von Öffentlichkeit (wir können es eine
phantasmatische Dimension nennen), durch das wir die
Möglichkeit einer Neuschaffung eines kritischen kulturellen
öffentlichen Raums denken können. Und es ist gerade
diese Öffnung, die die Existenz eines demokratischen
öffentlichen Raums sicherstellt, eines Raums, der -
wie es Chantal Mouffe formuliert hat - nicht einheitlich
(also konsensual) sein muss, um demokratisch zu sein.
Eine Vielzahl von
Öffentlichkeiten ist einer einzelnen Öffentlichkeit
vorzuziehen. Nancy Fraser spricht von der Notwendigkeit,
hybride Formen von Öffentlichkeiten und die Strukturierung
von schwachen und starken Öffentlichkeiten zu erforschen,
in denen Meinungen und Entscheidungen verhandelt werden
und die eine Neuformulierung ihrer Verhältnisse finden
können. Schließlich führt eine solche Untersuchung zu
einer post-bürgerlichen Öffentlichkeit, die nicht notwendigerweise
mit dem Staat identifiziert werden muss. Wir können
heute Symptome des Erscheinens nicht-staatlicher Öffentlichkeiten
erkennen, die durch zivilgesellschaftliche Initiativen
entstanden sind, und die die Gruppe Situaciones aus Buenos Aires unter Bezugnahme auf die Ereignisse in
Argentinien am 19. und 20. Dezember 2001 als "neuen
sozialen Protagonismus" bezeichnet hat.
Aus dieser Verweigerung
konsensualer Politik entsteht ein Bildungsansatz im
Zusammenhang mit Kultur, der die Autonomie von Öffentlichkeiten
und das Experimentieren mit Formen der Selbstorganisation
und Selbstbildung unterstützt. Der Zweck dieses methodischen
Ansatzes ist es, neue, vernetzte, horizontale, dezentrale,
delokalisierte Strukturen sowohl hinsichtlich künstlerischer
als auch sozialer Prozesse zu schaffen. Es geht darum,
den einzelnen Öffentlichkeiten eine Handlungsfähigkeit
und auch die Voraussetzungen dafür zur Verfügung zu
stellen, dass die Beschränkungen durch die traditionelle
Unterteilung in AkteurInnen und BetrachterInnen, ProduzentInnen
und KonsumentInnen überwunden werden.
Im MACBA versuchen
wir, vorherrschende Konzepte von Öffentlichkeit neu
zu denken, und ausgehend von diesen anderen Mediationsformen
experimentieren wir mit alternativen Ansätzen in der
Kulturarbeit. Es geht um eine Neudefiniton von Öffentlichkeit
auf der Basis dessen, was Feminismus und Queer-Theorie
geleistet haben und aufgrund der Erfahrungen der neuen
sozialen Bewegungen. Schließlich geht es um ein Verständnis
von Öffentlichkeit als Transformation, und nicht als
Reproduktion, darum, die derzeitigen Unzulänglichkeiten
traditioneller politischer Repräsentation zu überwinden,
die auf einem bürgerlichen Öffentlichkeitsbegriff beruht.
In diesem Prozess messen wir den Aktivitäten der neuen
sozialen Bewegungen besondere Bedeutung bei.
Die von mir beschriebenen
MACBA-Erfahrungen stammen aus den letzten drei bis vier
Jahren. Die zentrale Frage besteht darin, wie neue Formen
der Mediation entwickelt werden können.
Der Workshop Direct
Action as one of the Fine Arts im Herbst 2000 stellte
unseren ersten Versuch dar, KünstlerInnenkollektive
mit sozialen Bewegungen zusammenzubringen. Es ist wichtig,
die Bedeutung der sozialen Bewegungen in Barcelona zu
verstehen. Barcelona hat eine lokale Tradition und die
Besonderheit einer besonders aktiven Zivilgesellschaft,
was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass die Stadt
eine Hauptstadt ohne Staat ist. In diesem Kontext war
seit dem politischen Wechsel in den späten siebziger
Jahren und der Wiederherstellung der demokratischen
Institutionen der politische Einfluss der Föderation
der Nachbarschaftsvereine
(FAVB) von großer Bedeutung. Die FAVB ist eine reale
politische Kraft in Barcelona und bestimmt Entscheidungen
in der Stadt mit. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Barcelona
ein sozialdemokratisches Paradies wäre. Ich versuche
nur, die Besonderheit der lokalen Gegebenheiten zu beschreiben.
Der Workshop war
um fünf Themenbereiche organisiert:
Unterbeschäftigung
und neue Formen prekarisierter Arbeit.
Hier nahmen Gruppen wie Ne pas plier aus Paris teil,
die mit den lokalen Renta Básica-Gruppen (universelle
Grundsicherung) an einer neuen Zeitschrift arbeiteten.
Grenzen
und Migrationen. Dafür haben
wir das Kampagnen-Netzwerk Kein Mensch ist illegal,
eingeladen, das von Florian Schneider vorgestellt wurde
und das mit lokalen NGOs aktiv für die Rechte illegalisierter
MigrantInnen arbeitete. Diese Diskussion war der Ausgangpunkt
für mehrere Border-Camps, die im folgenden Sommer in
Südspanien stattfanden.
Urbane
Spekulation und Gentrifizierung
mit der Gruppe Fiambrera Obrera aus Madrid und Sevilla,
die auch als Hauptorganisatorin des Workshops fungierte.
Sie arbeitete zusammen mit Reclaim the Streets, die
für ihre einfallsreichen Protest- und Interventionsstrategien
in öffentlichen Räumen bekannt sind.
Medien
stellten ein transversales Thema des Workshops dar.
Die zentrale Idee bestand in der Schaffung neuer, alternativer
Netzwerke. Die Diskussion im Rahmen des Workshops war
der Beginn des Indymedia-Netzwerks in Barcelona. Die
Gruppe RTMark brachte ihre Erfahrungen taktischer Aneignung
korporativer Strategien ein, die starken Einfluss auf
lokale Strategien hatten, wie wir später sehen werden.
Und schließlich natürlich,
und auch transversal, stellte sich die Frage direkter
politischer Aktion. Die Diskussion um direkte Aktion
und die Beziehung zu bestimmten, in politisierten Praxen
angelegten künstlerischen Traditionen war natürlich
im gesamten Projekt zentral. Wie Ernesto Laclau gezeigt
hat, sind direkte Aktion und Formen politischer Selbstorganisation
eine postmoderne Reaktion auf die Einschränkungen der
traditionellen, bürgerlichen Formen politischer Repräsentation
und ein Symptom der strukturellen Dislozierung des Kapitalismus.
Laclau spricht von einer Verräumlichung von Ereignissen
als Alternative zur Zeitlichkeit. Dislozierung ist ein
Potenzial radikaler Demokratie.
Das Ziel des Workshops
bestand darin, mit künstlerischen Mitteln bestimmte
Prozesse oder eine Artikulation lokaler politischer
Kämpfe zu beginnen und damit auf Kontinuität abzuzielen.
Der Workshop stellte beispielsweise den Ausgangspunkt
für Indymedia Barcelona dar, das erste Indymedia-Projekt
in Spanien. Der Workshop war erfolgreich, indem er die
Artikulation eines breiten Spektrums neuer sozialer
Bewegungen in Barcelona in einem sehr spezifischen Moment
ermöglichte, als neue politische Formationen wie MRG
(Movimiento de Resistencia Global/ Global Resistance
Movement, zwischen 2001 und 2002 sehr aktiv, aber heute
aufgelöst) entstanden.
Der Direct Action-Workshop
war der Beginn eines ambitionierten Projekts, das sich
unmittelbar darauf und als logische Konsequenz desselben
entwickelte: Las Agencias fand im Frühjahr und Frühsommer
2001 statt.
Wir hatten uns bereits
im Museum eine Zeit lang mit dem Begriff Handlungsfähigkeit
(agency) beschäftigt.
Er hat zwei Bedeutungen für uns. Eine ist jene des empowerment,
also den verschiedenen Öffentlichkeiten Handlungsfähigkeit
zu ermöglichen, und zwar in Entsprechung zur Idee der
Pluralität produktiver Formen der Aneignung des Museums,
die ich oben beschrieben habe. Die andere Bedeutung
ist jene der Mikroinstitution, einer Art Mediationsorganismus
("Agentur") zwischen dem Museum und den Öffentlichkeiten.
Um die Wirkung von
Las Agencias zu verstehen, ist es wichtig, den Kontext
Barcelonas in den Monaten vor dem ursprünglich für Juni
2001 angesetzten Treffen der Weltbank zu sehen, das
aber schließlich aus Angst vor möglicher Gewalt in der
Stadt abgesagt wurde. Es war der Moment nach Prag und
Stockholm, als die Antiglobalisierungsproteste immer
mehr Bedeutung bekamen, und unmittelbar vor Genua im
Juni 2001, wahrscheinlich der Wendepunkt in der Folge
von Protesten, die 1999 in Seattle begonnenen hatten,
und gewissermaßen auch der Beginn von deren Ende. Doch
das wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Unter anderem
sollte sich der 11. September 2001 durch einen steigenden
Kriminalisierungsdruck auf die Bewegung auswirken, was
langfristige Effekte auf diese zeitigte. In Barcelona
war 2001 der stärkste Moment der so genannten Antiglobalisierungsbewegung.
In der Gegen-Kampagne spielte Las Agencias eine zentrale
Rolle durch die Entwicklung von Sichtbarkeitsstrategien,
die die traditionellen Methoden antikapitalistischer
Bewegungen überschritten. Die Situation heute, 2004,
ist auf vielen Ebenen eine vollkommen andere, aber das
ist eine andere Geschichte.
Las Agencias war
sozusagen ein permanenter Workshop, ein Experiment der
Selbst-Bildung und auch ein Vorschlag für einen pädagogischen
Ansatz, ausgehend von der Annahme, dass Lernen aus unmittelbaren
Bedürfnissen und im Kontext einer direkten Konfrontation
mit realen Problemen und Kämpfen entsteht. Lernen ist
das Resultat eines Bedürfnisses nach empirischen, diskursiven
und wirkungsvollen Lösungen für die Probleme, mit denen
wir konfrontiert sind.
Es gab fünf "Agenturen":
Eine graphische,
die Plakate und Drucksorten für den Gegengipfel produzierte,
wie Dinero Gratis
(Gratisgeld) und alle Plakate gegen die Weltbank,
unter parodistischer Aneignung der offiziellen städtischen
Kampagnen.
Eine fotografische "Agentur"
produzierte Bilder und ein Archiv für die verschiedenen
Kampagnen, und eine "Medien-Agentur" war maßgeblich
für die Entwicklung der Indymedia Barcelona-Station
und auch der Zeitschrift Esta tot fatal, die als Kommunikations-
und Meinungsbildungsinstrument des Gegengipfels diente.
Eine weitere "Agentur"
designte und produzierte Instrumente für die Intervention
im öffentlichen Raum in Protestsituationen. Sie machten
Projekte wie Prêt a revolter, Mode für Sicherheit und
Sichtbarkeit in Demonstrationen, oder Art Mani, einen
Foto-Schild zum Schutz gegen die Polizei. Dazu gehörte
auch der Showbus, ein adaptierter Bus, der mit einem
Soundsystem und Videoprojektionsscreens ausgestattet
war, die als mobiler Ausstellungsraum benützt werden
konnten, und verschiedene Anwendungsmöglichkeiten in
öffentlichen Demonstration oder Aktionen erlaubte. Alle
diese Projekte waren während der Ereignisse des Juni
2001 in den Straßen von Barcelona sichtbar.
Schließlich betrieb eine "Agentur"
die Museumsbar, die Ort für die Herstellung von Beziehungen
wurde, zum Essen und Trinken, aber auch ein sozialer
Ort für Veranstaltungen mit Gruppen, Videoprogrammen
und freiem Internetzugang.
Abgesehen von diesen
Projekten veranstalteten wir im Zusammenhang mit Las
Agencias auch eigene Workshops mit geladenen KünstlerInnen
wie Marc Pataut von Ne pas plier, Krzysztof Wodiczko
and Allan Sekula. Die Workshops waren auch verbunden
mit den Bedürfnissen der involvierten Gruppen betreffend
der Produktion von Bildern und Instrumenten.
Las Agencias fand
im Museum gleichzeitig mit zwei großen Ausstellungen
statt, Antagonisms.
Case Studies und Documentary
Processes. Testimonial Image, Subalternity and the Public
Sphere. Antagonisms
war eine große Ausstellung, die eine Reihe von Fallstudien
zu Momenten oder Situationen der Überschneidung von
Kunstpraxen und politischer Aktivität in der zweiten
Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigte. So enthielten Teile
der Ausstellung eine Rekonstruktion einer politischen
Lesart des Minimalismus nach Carl Andre’s radikalem
materialistischen Ansatz; eine Auswahl aus der Vielzahl
graphischer Arbeiten, die im Kontext der AIDS-Proteste
in den achtziger Jahren produziert worden waren; oder
das Services-Projekt
von Andrea Fraser, das sich mit der Transformation des
produktiven Status der Künstlerin im Kontext einer "Biennalisierung"
der Kunstwelt beschäftigt, um nur ein paar Beispiele
zu nennen.
Das dritte Element
dieser Konstellation war die kleine Gruppenausstellung
Documentary Processes.
Sie war der Versuch, eine Ausstellung als eine Form
der direkten Aktion zu organisieren, also als Instrument
für den Gegengipfel und den Bedarf antikapitalistischer
Gruppen hinsichtlich eines Zur-Verfügung-Stellens von
Bildern für die Kritik am Neoliberalismus. Die Ausstellung
reflektierte den Dokumentarfilm als historisch-politisches
Genre rund um die Repräsentation von Subalternen und
wollte eine Diskussion über den Stellenwert des dokumentarischen
Bildes im digitalen Zeitalter initiieren. Die Hypothese
bestand darin, dass filmische Dokumentation die Methoden
der Mediation differenzieren und weiterentwickeln müsse,
um einen realen politischen Effekt zu haben. Dafür war
die Diskussion um ZeugInnenschaft zentral. Die Ausstellung
zeigte Bilder, die die Folgen der Privatisierungspolitik
und den Rückgang öffentlicher Dienstleistungen im korporativen
Kapitalismus darstellten und umfasste Arbeiten von Allan
Sekula, Ursula Biemann, Harun Farocki, Marcelo Exposito,
Patrick Faigenbaum, Marc Pataut, Frederick Wiseman etc.
Was waren die Auswirkungen
dieser Projekte?
Natürlich generierten
sie eine bestimmte Wahrnehmung des Museums als Ort der
Diskussion und der Kritik. Das Museum wurde als Ort
der Auseinandersetzung für anti-kapitalistische Gruppen
erkennbar, und es ist bezeichnend, dass im folgenden
Jahr im Zuge der Kampagnen gegen den Europäischen Gipfel
im März 2002 ein antikapitalistischer Zirkus auf dem
Platz gegenüber dem Museum organisiert wurde, ohne dass
dieses in irgendeiner Weise in diese Kampagne involviert
war.
Aber es gab auch
Effekte auf anderen Ebenen: Indymedia Barcelona wurde
zu einer permanenten Einrichtung, die zur Transformation
des kommunikativen Diskurses der Bewegungen beitrug.
Ebenso gibt es ein Vorher und ein Nachher, was die grafischen
Kampagnen von 2001 betrifft. Ab dann kamen neue Formen
und kommunikative Grafiken zum Vorschein, die noch immer
weiter entwickelt werden.
Weitere signifikante
Projekte haben zu einer transformativen Verwendung des
Ausstellungsraums beigetragen. Im Jahr 2001 zeigten
wir eine Ausstellung über den Filmemacher Pere Portabella,
die aus einer Verbindung verschiedener Elemente in einem
"hybriden" Raum bestand. Die Ausstellung kombinierte
verschiedene diskursive Räume: einen Filmvorführungsraum,
ein Archiv, eine Lounge und einen Raum für öffentliche
Diskussionen. Sie umfasste mehrere Programme und eine
Vortragsreihe, in der verschiedene ExpertInnen eingeladen
waren, Gegennarrative zur Ausstellung zu entwerfen,
um die epistemologische Struktur der Ausstellung und
der kuratorischen Methoden transparenter zu machen.
Dieses Projekt versuchte der Praxis der Institutionskritik
folgend eine Neueinschreibung von Konzepten der Herstellung
von Beziehungen und Nutzwert im Museumsraum, nicht im
Sinne einer Musealisierung dieser Methoden, sondern
als deren kritische Weiterführung.
Dieses Experiment
hat uns zu einem Programm gebracht, das
wir relational spaces nennen. Wir gestalteten mehrere Projekte mit Film-
und Videoprogrammen, die wir sowohl in einer Reihe von
Screenings als auch einem frei zugänglichen Bibliotheks-
und Materialraum zur Unterhaltung, Bildung und zum Zusammentreffen
präsentierten. Das erste dieser Programme, Buen
rollo. Políticas de resistencia
y culturas musicales
(Good Vibes. Politiken des Widerstands
und Musikkulturen) analysierte alternative Öffentlichkeiten
als Musik-Subkulturen. Diese wurden als Fallbeispiele
für das Potenzial (aber auch die Ambiguitäten und Widersprüche)
der Kulturindustrien verstanden, sowohl was Widerstand
als auch kommerzielle Interessen anbelangte. Der Begriff
der Musiknetzwerke als Modelle alternativer (oder plebejischer)
Öffentlichkeiten und der Begriff von Netzwerken in Form
von Organisation und Zirkulation von Diskursen und kulturellen
Produkten stellte auch den Ausgangspunkt für das Programm
Tan diferentes, tan atractivos. Vida urbana y cultura popular
en el capitalismo de la abundancia
(So verschieden, so attraktiv. Urbanes
Leben und Populärkultur im Kapitalismus des Überflusses)
dar. Hier bestand auch ein Zusammenhang mit einer Richard
Hamilton-Retrospektive. Diese Projekte sind eine Antwort
auf die Notwendigkeit, die Herstellung von Beziehungen
vor dem rhetorischen Simulakrum-Monopol eines Palais
de Tokyo oder von Utopia Station zu retten, der falschen
Politisierung und Banalisierung einer wirklichen Artikulation
künstlerischer und sozialer Prozesse. Wir gehen davon
aus, dass die Erfahrungen für eine solche Artikulation
historisch aus Versuchen alternativer Formen sozialen
Zusammentreffens hervorgegangen und in radikalen transformativen
politischen Erfahrungen und Zielen begründet sind. Deshalb
gehen unsere Modelle auf die russische Revolution oder
die sechziger Jahre zurück. Relationalität bedarf einer
Neubetrachtung der hierarchischen Verhältnisse von Hoch-
und Populärkultur, jedoch nicht auf Kosten einer Musealisierung
von Populärkultur und Kitsch, sondern im Sinne einer
Neuzusammensetzung der Ungleichheiten im Antagonismus
zwischen den beiden.
Wir setzen unsere
Forschungstätigkeit derzeit durch verschiedene Projekte
fort.
Wir arbeiten beispielsweise
an einem Projekt mit dem Titel Desacuerdos.
Sobre arte, políticas y esfera pública en el Estado
español (Meinungsverschiedenheiten. Über Kunst,
Politik und Öffentlichkeit in Spanien), einem Netzwerkprojekt,
das die Herstellung von Gegennarrativen und Gegenstrukturen
zeitgenössischer Kunst in Spanien anstrebt, die großteils
durch die Hegemonie des spanischen Marktes seit den
achtziger Jahren bestimmt wird, deren Paradigma ARCO
ist. Wir versuchen zu zeigen, dass in Spanien nach Franco
ein falscher kultureller Wechsel als Substitut für eine
wirkliche politische Transformation des Staates fungierte.
Das Projekt umfasst eine Forschungsarbeit, eine Reihe
öffentlicher Veranstaltungen und eine Ausstellung, die
im Februar 2005 stattfinden wird.
Wir arbeiten auch
mit lokalen Gruppen in der Stadt prozessual seit Beginn
des Jahres 2003 in einer Reihe von Diskussionen unter
dem Titel From
Glories to Besos. Cambio urbano y espacio público en
la metrópolis de Barcelona (Urbane Veränderung und
öffentlicher Raum in der Metropole Barcelona) und in
Zusammenhang mit einer Muntadas-Retrospektive zusammen.
Die öffentlichen Diskussionen und Workshops waren der
Versuch eines Befundes und einer öffentlichen Diskussion
der Situation in Barcelona unmittelbar vor dem Forum
2004. Diese Großveranstaltung wird eine Veränderung
der Größenordnung der Stadt und die wichtigste urbane
Transformation seit den Olympischen Spielen 1992 bedeuten.
Dies war der formale
Beginn eines Kooperationsprozesses mit der Umgebung
und lokalen Gruppen aus Poblenou-Besòs, besonders dem
Forum Ribera del Besòs. Unser Ansatz ist, lokal integriert
zu sein, um in der ganzen Stadt und weltweit zu arbeiten.
Dieses Projekt wird derzeit unter dem Arbeitstitel How
do we want to be governed? mit kuratorischer Teilnahme
von Roger Buergel entwickelt. Das Projekt besteht aus
einer Ausstellungseröffnung im September 2004 in Poblenou–Besòs,
die ein Gegenmuseum und historisches Gegenmodell sein
soll und für die wir mit lokalen Gruppen in einer Art
"Vorstand von unten" arbeiten. Für die Produktion
der Ausstellung organisieren wir Treffen und Diskussionen
mit dem Kurator und den lokalen Gruppen. Einige der
Projekte in der Ausstellung werden in lokalen Kämpfen
verankert sein und diesen Sichtbarkeit verleihen. In
diesen Kämpfen geht es um prekäre Arbeit, industrielles
Gedächtnis, sozialen Wohnbau und öffentliche Dienstleistungen
sowie um eine Rekonstruktion subalterner Geschichte,
die durch die neuen Entwicklungen um das Forum 2004
ausgelöscht werden. Ein Teil des Prozesses im Rahmen
des Projekts wurde im November 2003 bei der Konferenz
The Construction
of the Public und dem Seminar mit Paolo Virno gezeigt.
Wir untersuchen auch
weiter den Begriff der Handlungsfähigkeit, "agency",
den ich zuvor in seiner Komplexität beschrieben habe,
in den wichtigsten diskursiven Bereichen des Museums.
Diese sind derzeit: Kritik (Schreiben und kritischer
Diskurs), Therapie, Gender und Repräsentation, die Stadt
(lokale Organisationsformen und urbane Erfahrung) und
Politik (die neuen sozialen Bewegungen). In Folge der
Arbeit der letzten Jahre überlegen wir derzeit die Einrichtung
eines Studienprogramms, das in einer konsistenteren
Form die diskursiven Ergebnisse des Museums zu artikulieren
vermag.
Dies ist nur ein
kurzer Bericht darüber, was das MACBA heute zu tun versucht.
Die Projekte sind von einer radikalen Komplexität hinsichtlich
dessen, wie sie kommuniziert, gezeigt oder sichtbar
gemacht werden. Wir glauben, dass bestimmte Prozesse
manchmal Unsichtbarkeit benötigen, um wirksam zu sein
und Prozesse zu bleiben. Kunst ist überdeterminiert
durch ein Regime öffentlicher Sichtbarkeit, was negative
Auswirkungen für die subjektive Aneignung kreativer
Methoden haben kann. Sichtbarkeit kann die Lebendigkeit
schwächen und eine Form der Institutionalisierung sein,
eine narzisstische Versteinerung kreativen Potenzials.
Aber wir glauben, dass es möglich ist, über das Sichtbarkeitsregime
als Paradigma der Ausstellung hinaus Formen einer subjektiven
Aneignung künstlerischer Methoden durch Prozesse außerhalb
des Museums wiederherzustellen.
Was hier zu sehen
ist, ist ein Projekt und ein Prozess. Unser Ziel ist
es, an die Grenzen zu gehen und die Widersprüche des
institutionellen Rahmens herauszufordern. Ein Museum
ist nichts anderes, als das, was damit getan werden
kann, die Formen, durch die die Menschen es sich aneignen.
Das ist unser Beitrag zu einer radikalen politischen
Neudefinition künstlerischer Relationalität.
Übersetzung: Therese
Kaufmann
|