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Der Titel des Symposiums,
für das dieser Text geschrieben wurde, "In the
Place of the Public Sphere", kündigt eine doppelte
Lesart an. Besonders der Gebrauch des Wortes "place",
oder eher der Platz des Wortes "place" im
Titel machen zwei unterschiedliche Vorstellungen von
Öffentlichkeit geltend. In der einen Lesart ist Öffentlichkeit
ein Ort, eine Art Arena oder Location, mit räumlichen
Grenzen und einem Innen, das besetzt werden kann. Öffentlichkeit findet irgendwo statt,
sie ist irgendwo.
Eine zweite Lesart des Titels beruft sich auf eine mögliche
Alternative zur, oder einen Ersatz für, Öffentlichkeit.
"In the place of" ("an der Stelle von";
anstelle von, anstatt) legt nahe, dass wir uns eher
als ein In(nen) ("am Ort der") auch ein Anstatt
("an Stelle von") der öffentlichen Sphäre
vorstellen könnten. Das Modell von Öffentlichkeit, das
letztere Formulierung implizit kritisiert (und gegen
das man sich ein Anstatt vorstellen kann), ist das von
Jürgen Habermas mittlerweile zum Klassiker gewordenen
Werk zum Thema. Schematisch gesprochen verortet Habermas
in "Strukturwandel der Öffentlichkeit" (1962)
die Entstehung einer öffentlichen Sphäre in den Clubs,
Kaffeehäusern, Debattiergesellschaften, Museen, Zeitungen
und anderen Institutionen im Europa des siebzehnten
und achtzehnten Jahrhunderts, in denen die Mitglieder
des im Aufstieg begriffenen Bürgertums zusammenkamen,
um verschiedene Belange von "öffentlichem"
Interesse zu diskutieren. Am Schnittpunkt des Aufstiegs
der urbanen Massengesellschaften und des Niedergangs
monarchistisch-absolutistischer Herrschaft ist Habermas'
bürgerliche Öffentlichkeit als soziale und politische
Form konzipiert, welche die teilhabenden Subjekte durch
die Ausklammerung persönlicher Interessen in die Lage
versetzt, sich in einer objektiven, interesselosen Debatte
zu engagieren und damit kollektiv als eine Art Kontrollinstanz
über die Herrschaft der Regierung oder des autoritären
Staats fungieren zu können. Diese Öffentlichkeit ist
ein Modell moderner demokratischer Prozesse; unterstellt
wird, dass alle Subjekte gleich sind und gleichermaßen
fähig, am kritischen Räsonnement teilzuhaben, ohne durch
Eigeninteressen befangen zu sein.
Über
das letzte Jahrzehnt hinaus ist Habermas' These zur
bürgerlichen Öffentlichkeit oft der Kritik unterzogen
worden - für die Autorisierung eines patriarchalen männlichen
Subjekts als normativem Subjekt der Öffentlichkeit,
für die Tendenz, eher idealisierte Abstraktionen als
existierende politische Kulturen in den Vordergrund
zu stellen; und für die mangelnde Anerkennung des Anteils,
den Subkulturen und Gegenöffentlichkeiten (besonders
die von Frauen) am Aufbau der bürgerlichen Öffentlichkeit
hatten. Konträr zu Habermas' Modell entwerfen jüngere
Theorien der Öffentlichkeit diese als einen Schauplatz
unterschiedlicher Typen von Konkurrenz und Wettstreit,
als eine Sphäre sozialer Fragmentierung, ungleichen
und ausschließenden Zugangs und "konkurrierender
Kommunikationspraxen", wie es Oskar Negt und Alexander
Kluge beschreiben.
Für
die zeitgenössische Kunst haben solche Verschiebungen
im Öffentlichkeitsdiskurs eine ziemlich tief greifende
Wirkung und Bedeutung. Um der Verräumlichung des Begriffs
der öffentlichen Sphäre entgegenzuwirken, hat Frazer
Ward, ein mit den Schriften von Negt und Kluge und ihrer
Betonung der Formen von Kommunikation (Publicity) gegenüber
den resultierenden Orten (öffentliche Sphäre) von Kommunikation
vertrauter Kunsthistoriker, einen Wandel im Nachdenken
über die Funktion von Kunst als einer Form von Publizität
angeregt.
Diese Idee aufgreifend, wird dieser Aufsatz im Rückblick
einige paradigmatische Arbeiten der Public Art der
letzten fünfunddreißig Jahre in den USA als unterschiedliche
Formen von Publizität, das heißt, als unterschiedliche
Modelle kommunikativer Praxen oder Formen der öffentlichen
Ansprache (eher denn als Kunstgenres) neu erwägen. Diese
Überlegungen werden sich von der Einsicht Raymond Williams'
leiten lassen, der 1961 in seinem Aufsatz "Communications
and Community" vier Arten kommunikativer Praxen
mit einer quasi-evolutionären Entwicklung umrissen hat
- von der autoritären zur paternalistischen, und über
die kommerzielle zur demokratischen.
Williams
zufolge kontrolliert in einem autoritären Kommunikationssystem
eine herrschende Gruppe die Gesellschaft der Beherrschten,
und alle Kommunikationsinstitutionen sind in ihrer Kontrolle.
Ideen, die ihre Autorität gefährden, werden unterdrückt
und ausgeschlossen. Weder Individuen noch Gruppen dürfen
ihre eigenen Kommunikationssysteme schaffen. In einem
solchen System gibt es nur eine Weltanschauung und
ein dazugehöriges Set rigider Werte, die der Mehrheit
von einigen wenigen aufgezwungen werden. Williams charakterisiert
diese Art der Kommunikation als grundlegend "böse".
Der paternalistische Kommunikationsmodus ist
"autoritär mit einem Gewissen". Aus dem Anspruch
heraus, den Beherrschten aus Wohltätigkeit Anleitung,
Bildung und Verfeinerung angedeihen lassen zu wollen,
behandelt die herrschende Gruppe die Mehrzahl ihrer
Untertanen wie Kinder, die nicht wissen, was für sie
am besten ist. Die an der Macht befindliche Minderheit
wird von einem Gefühl der Verantwortung angetrieben,
einer Verpflichtung, Gutes zu tun und der in gewissem
Sinne als rückständig und bedürftig betrachteten Mehrheit
einen "Dienst an der Allgemeinheit" zu leisten.
Interessanterweise ist die zugrunde liegende Annahme,
dass die Überlegenheit der herrschenden Gruppe eines
Tages verschwinden wird, wenn die anderen erst "heranwachsen"
und lernen, wie die "Erwachsenen" zu sein.
Williams merkt an, dass dieser Modus exponierter und
verletzlicher als das autoritäre Kommunikationssystem,
aber nichtsdestotrotz in der Lokalisierung von Macht
und Kontrolle problematisch ist. Ursprünglich als Antwort
auf die ersten beiden Formen gedacht, stellt der kommerzielle
Kommunikationsmodus die Herrschaft der wenigen über
die vielen grundlegend infrage. Eine verlässliche Grundlage
für den Kampf gegen die staatliche Kontrolle (die als
monopolistisch gilt, ob sie nun autoritär oder paternalistisch
ist) ist für den kommerziellen Modus der freie Markt
- er bietet die notwendige Freiheit für alle, zu veröffentlichen
und zu lesen, was sie wollen. Wie Williams schreibt,
trotzt der kommerzielle Kommunikationsmodus zwar der
staatlichen Kontrolle, gleichzeitig setzt er aber neue
Kontrollen ein, die auf dem Kriterium der Profitabilität
gründen. Im Ergebnis wird die Informationsgewalt immer
noch konsolidiert und von einer kleinen Zahl von Individuen
oder Gruppen geteilt, die die Mehrheit der Zeitungen,
Magazine, Fernsehsender und Rundfunkanstalten kontrollieren
(heutzutage sollten wir das Internet auch noch dazunehmen).
Der dezentralisierte demokratische Kommunikationsmodus
schließlich, ein für Williams noch nicht voll realisiertes
Ideal, richtet sich sowohl gegen Kommerzialisierung
als auch gegen staatliche Kontrolle. Es ist ein System,
das die individuelle Partizipation maximiert und unabhängigen
Gruppen mit Zugang zur Nutzung von Kommunikationsmitteln
im öffentlichen Eigentum - Theatern, Rundfunkstationen,
Filmstudios, Zeitungen usw. - zu bestimmen erlaubt,
was produziert wird. Das heißt, die Ausdrucks- und Kommunikationsmodi
und die Mittel ihrer Verbreitung gehören den Leuten,
die sie nutzen. Und was produziert wird, entscheiden
diejenigen, die es produzieren.
Mithilfe dieser
vier Kategorien von Kommunikationssystemen oder Arten
von Publizität lässt sich nachvollziehen, wie sich
Public Art-Praxen in den USA in den letzen vier Jahrzehnten
(nicht) entwickelt haben.
Wenn wir chronologisch vorgehen, können wir zuerst Alexander
Calders La Grande
Vitesse in Grand Rapids (Michigan) betrachten, die
erste öffentliche Skulptur, die 1967 vom National Endowment
for the Arts und dessen Programm für Kunst im öffentlichen
Raum gesponsert wurde. La
Grande Vitesse ist eine aus Stahl gefertigte und
rot gestrichene biomorphe, modernistische Abstraktion,
und zumindest in Nordamerika gilt die Arbeit vielen
als eines der erfolgreichsten Public Art-Projekte des
zwanzigsten Jahrhunderts. Zentral auf einer großen
urbanen Plaza gelegen und von Bürogebäuden des International-Style
umgeben, behauptet die Skulptur physisch und visuell
ihre Autonomie und hat die Funktion, vom singulären
"Genie" des Künstlers zu zeugen. Derlei "plop
art"
ist in den 1970er Jahren auf vielen ähnlichen Plazas
in größeren Städten der USA aufgetaucht und war als
"Geschenk" der Regierung (auf lokaler, staatlicher
oder Bundesebene) an die Öffentlichkeit gedacht. Mit
ihren Gremien und Komitees ausgewählter Experten, die
über das Schicksal von Public Art-Aufträgen entscheiden,
mit der erklärten Absicht, die "besten" Leistungen
in der Kunst einer allgemeinen Öffentlichkeit näher
zu bringen, beruhen Programme wie das National Endowment
for the Arts (NEA) auf dem, was Williams als das paternalistische
Kommunikationsmodell beschrieben hat. Die zugrunde liegende
Annahme ist hier, dass die Präsenz von großer Kunst
in den Räumen des Alltagslebens der allgemeinen Öffentlichkeit
(der bis dahin der Zugang zur Hochkultur verwehrt war)
zugute kommen würde, und dass die Regierung ihrem Volk
mit der Hilfe von Kunstexperten derlei erzieherische
und erhebende Erfahrungen eröffnen kann.
Ähnliche Annahmen
sind für das NEA und andere Vertreter der Public Art
über die siebziger und achtziger Jahre hinaus bestimmend.
Das Wiesner Gebäude auf dem Campus der MIT führte Scott
Burton, Kenneth Noland und Richard Fleischner zu einer
Kollaboration mit dem Architekten I. M. Pei zusammen,
um Kunst in Form eines öffentlichen Raums zu schaffen.
Indem sie den Funktionalismus gegenüber der Ästhetik
in den Vordergrund stellen, integrieren solche Künstler-Architekten-Teams
mit ihren Bemühungen die Kunst ins Umweltdesign; die
Künstler übernehmen als Teil eines umfassenderen Architektur-
oder Urban Design-Projekts die Gestaltung von Sitzgelegenheiten,
Sonnenblenden, Beleuchtung usw. Obschon sie in ihrer
Funktionsweise unabdingbar paternalistisch blieben -
die Künstler und die Architekten, ebenso wie die fördernde
Regierungsagentur, wissen am besten, was für die Öffentlichkeit
gut ist -, kamen derlei Bemühungen aber auch unternehmerischen
Interessen in die Immobilienentwicklung entgegen. Künstler
wurden, in anderen Worten, dazu angeworben, die Wohnqualität
und damit den Eigentumswert gewisser Gebäude und Zonen
der Gentrifizierung zu steigern. In diesem Fall geht
die paternalistische Grundlage der Public Art mit einer
kommerziellen Form öffentlicher Artikulation einher.
Richard Serras Tilted
Arc (1981-1989) auf der Federal Plaza in Downtown
New York war als Antwort auf den Kunst als öffentlicher Raum-Ansatz von Public Art gedacht, also einer
Kunst, die der Architektur Rechnung trägt oder sich
ihr unterwirft. Indem sie das utilitaristisch-funktionalistische
Mandat von Public Art mit einem aufdringlichen und "nutzlosen"
Objekt negierte, zeigte die kontroverse Skulptur als
Beispiel "kritischer" und "politischer"
Ortsspezifik die Scheinheiligkeit der "öffentlichen"
Plaza als geschlossenem und sozial vereinheitlichtem
Raum auf.
Aber selbst wenn Tilted
Arc die architektonische Bedingung der Federal Plaza
als einer in sich selbst autoritären Kommunikationsform
(in Williams Begrifflichkeiten) in Frage stellte, bewahrte
sie dennoch eine paternalistische Haltung. Während der
Anhörungen, die letztendlich zur Entfernung der Skulptur
führten, brachten die "Kunstexperten", die
den künstlerischen Verdienst und den politischen Wert
künstlerischer Freiheit verteidigten (der Künstler eingeschlossen),
Positionen zum Ausdruck, die ihr "überlegenes"
und verfeinertes Wissen klar von den uninformierten
und ungebildeten Eindrücken der allgemeinen Öffentlichkeit
abhoben. Dies bedeutet, dass die paternalistische Form
der Artikulation von Tilted
Arc sich nicht allzu weit von Calders La
Grande Vitesse entfernt hat, beides Beispiele einer
"großen" künstlerischen Leistung, die von
einigen wenigen als solche verstanden und dem sozialen
Körper der Mehrheit präsentiert wird, dem es, so die
Annahme, an Bildung und kultureller Verfeinerung mangelt
(aber damit sich das ändert, wird ihnen eine solche
Kunst ja vorgesetzt).
In den 1990er Jahren
erlebten die Bemühungen um eine demokratischere Form
von Public Art-Kunstpraxen eine Aufschwung (die Publikation
von Suzanne Lacys Anthologie Mapping
the Terrain: New Genre Public Art, Seattle 1995
ist ein Zeichen für diesen Trend).
Zu den zahlreichen Kunstwerken, die als Beleg angeführt
werden können, gehört etwa John Ahearns Percent
for Art-Projekt von 1992-93, welches mit der Installation
dreier lebensgroßer gegossener Statuen junger Anwohner
aus der South Bronx, wo sie aufgestellt werden sollten,
verbunden war. Die figurativen Skulpturen
wurden als für die Öffentlichkeit zugänglicher erachtet
als die Sprache modernistischer Abstraktion (Calder)
oder der post-minimalistischen Kunst (Serra); nach
Auskunft des Künstlers waren sie "heroische"
Repräsentationen seiner Nachbarn. Da Ahearn selbst
in der südlichen Bronx lebte, und da die Kunst in der
direkten Interaktion, ja sogar in Zusammenarbeit mit
den Bürgern geschaffen wurde, stellte man sich vor,
dass der "Inhalt" dieser öffentlichen Skulpturen
mit ihrem "Publikum" identisch sei. Anstelle
einer Kunst, die als Geschenk einer paternalistischen
herrschenden Gruppe an die Öffentlichkeit herangetragen
wird, sollte Ahearns Arbeit als Kunst der
Leute und auch bis zu einem gewissen Grad als Kunst
von den Leuten, die sie repräsentiert, funktionieren. Während die
Frage, wer wen repräsentieren kann, Anlass für eine
Kontroverse gab, die zu einer schnellen Beseitigung
der Skulpturen führte (die Künstler entschieden, sie
entfernen zu lassen), bleiben die Debatten um die Charakteristika
einer "demokratischen" Form der künstlerischen
Ansprache aus Ahearns South Bronx Sculpture Park-Projekt
eine beeindruckende Lektion.
"New Genre
Public Art", so Suzanne Lacys Definition, bemüht
sich um ein "demokratisches" Modell einer
auf der Mitwirkung und der Mitarbeit von Teilen des
Publikums an der Herstellung der künstlerischen Arbeit
basierenden Kommunikation. In ihrem gleichzeitigen Streben
nach sozialem Wandel bewahrt sie eine gewisse instrumentale
Haltung gegenüber der Kunst als Mittel, grundsatzpolitische
Veränderungen zu erleichtern oder soziale Ungerechtigkeiten
zu korrigieren. Während solche Bemühungen herkömmliche
Machtdynamiken und Hierarchien anfechten, welche die
zeitgenössische Kunstwelt stützen, ist der von New Genre
Public Art beschworene demokratische Kommunikationsmodus
in der Mehrzahl der Fälle für eine vereinheitlichte
Öffentlichkeit gedacht. Zugleich wird in der "Zusammenarbeit"
den Mitgliedern des Publikums gegenüber eine gewisse
paternalistische Einstellung gewahrt.
Als Versuch, einem
demokratischen Kommunikationsmodus in der Kunst Gestalt
zu geben, ist das Posterprojekt DaZiBao
von Group Material aus dem Jahr 1983 ein besseres Beispiel.
Der unsanktionierte "Guerillaakt" brachte
die Installation einer Serie von Postern auf dem Union
Square in New York mit sich, die eine Auswahl unterschiedlicher
Stimmen und Meinungen zu einer Reihe verschiedener aktueller
politischer und sozialer Themen vertraten - von der
US-Intervention in Südamerika über Abtreibungsrechte
bis hin zum Wohlfahrtsstaat, usw. Durch die Nutzung
des ephemeren Raums der urbanen Straße und der ephemeren
Form des Straßenplakats, zeigte Group Material einem
nicht quantifizierbaren Publikum von Passanten ein Bild
ihrer selbst als disjunktive Gespräche und verkürzte
Ansichten umfassender, unvereinheitlichter Öffentlichkeit.
Hier erscheint die "demokratische" Öffentlichkeit
als ein von Wettstreit geprägter Prozess ohne feste
Form und ohne ein endgültiges Ergebnis.
Wie zufrieden sind
wir mit diesem
Modell? Insofern sie eine Möglichkeit und ein Potenzial
imaginiert, für die Diskussion von Themen gemeinschaftlichen
(oder gemeinsamen) Interesses soziale Differenzen überwinden
zu können, ist die öffentliche Sphäre - wie schon oft
bemerkt wurde - immer notwendig ein Ideal, eine idealisierte
Konstruktion (Fantasie).
In der Vergangenheit hörte man aus diesem Begriff des
"gemeinschaftlichen" eine vom dominanten
ideologischen Regime geltend gemachte Tendenz zur Universalisierung
heraus, die nicht nur minoritäre oder marginalisierte
Wahlkreise ausblendet, sondern die Machtstruktur dieses
Regimes erhält und naturalisiert. Aber "wenn man",
wie Frazer Ward schrieb, "einerseits die zeitgenössische
Dominanz der Massenmedien, und andererseits die Balkanisierung
der Identitätspolitiken und ihre Tendenz, in ein Feld
miteinander kollidierender spezifizierter Ansprüche
auszuarten, voraussetzt... verlangt ein notwendigerweise
modifiziertes Habermasianisches Schema Beachtung."
Dies bedeutet, angesichts balkanisierter Identitätspolitiken
(immer größere Individualisierung und auf einem Gefühl
absoluter, nicht eindeutiger und nicht-relationaler
Differenz basierende Teilung, sowie von psychologischen,
politischen und/oder gesellschaftlichen Kränkungen oder
Traumata herrührende Selbst-Autorisierung) und der homogenisierenden
Affekte (der Auslöschung von Differenz oder "Tiefe"
à la Fredric Jameson) und Intensitäten, welche die massenvermittelte
Spektakelkultur des Spätkapitalismus hervorbringt -
beides führt entweder zu nicht-kommunikativen Sackgassen
(und damit zu Gewalt) oder nimmt einem die Besinnung,
die nötig ist, um dem Unvermögen Ausdruck zu verleihen
- könnte es sinnvoll sein, Habermas' Vision der bürgerlichen
Öffentlichkeit nicht ganz so bereitwillig zu verwerfen.
Die Fantasie einer Öffentlichkeit, in der man - zumindest
zeitweise - private und persönliche Interessen einklammert,
um sich eine kollektive Identifikation, eine andere
Art der Vertrautheit, vorzustellen - nicht um der Affirmation,
des Konsenses oder der Vereinheitlichung willen; keine
Identifikation des Gleichen -, scheint wichtiger zu
sein als jemals zuvor. So ein Versuch, sich eine demokratische
Öffentlichkeit neu vorzustellen, ist zwingend eine Übung
in Abstraktion, und das (Kunst-)Werk, das vollbracht
werden muss, scheint in dem Raum zu liegen, in dem diese
andere Art von Intimität und Publizität zusammenkommen.
Übersetzung:
Patricia Holder
[Der Text erschien
zuerst in englischer Sprache in: Simon Sheikh (Hg.),
In the Place of the Public Sphere? On the establishment
of publics and counter-publics, Berlin: b_books
2005]
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